Wo entsteht die Musik? (Teil 1)

by ikreidler

Beispielsweise im Kleinen. In der Packungsbeilage steht: Silikon liegt in einer süssen Lauge mit apart bitteren Note vor, so dass es gerne eingeatmet wird – ein Hauch von Zitronenthymian. Um auf Nummer sicher zu gehen, durchdringt es auch die Haut. Aber nur einmal, ein einziges Mal, dann verstopft das Silikon die Atemwege und das wars.

Und auch hier: der hilfreiche Hinweis, wie man sich sein Gegenüber merkt.

Im Restaurant Themroc sass ich einen Abend lang neben einem jungen Mann, der mir zwar vorgestellt worden war, dessen Namen ich aber augenblicklich wieder vergessen hatte. Nichts Ungewöhnliches, eher die Regel. Wir unterhielten uns prächtig. Im Verlauf der Nacht führte uns das Gespräch auch auf das Unvermögen, sich Namen und Gesichter zu merken oder noch arger, diese einander zu ordnen zu können. Wie sich nämlich herausgestellt hatte, ging es ihm ähnlich wie mir (nicht nur das, ich bemerkte, wie er heimlich bei seiner Tischnachbarin nach meinem Namen nachfragen musste; ließ ihn meinerseits aber im Ungewissen, dass mir auch seiner nicht mehr gewahr war). Muss man sich die ganze Zeit darauf konzentrieren, seinen eigenen Namen zu merken und verpasst deswegen den Moment, wo der Name des Gegenübers genannt wird? Ist irgendwann einfach die eigene Speicherkapazität erschöpft? Ist es schlicht Arroganz? Oder hat man verlernt, dass es eben Arbeit bedeutet, die Synapsen zum Arbeiten zu bringen?  Dieser Handel bringt mir nichts ein?

Als ich neulich eine amerikanische Freundin auf die auffällige diesbezügliche Professionalität von Bekannten Londoner, New Yorker und Los Angeliner Provenienz ansprach, erklärte sie mir ihre und deren Technik: Sie stellt mir Jens vor. Ich spreche daraufhin Jens einmal direkt mit seinem Namen an, Jens, wie gehts? Und im daran anschliessenden Smalltalk bindet ich ihn weitere ein, zwei Male mit ein. JensJens und, Ach Jens. Danach wäre der Name mir in die Gehirnrinde eingebrannt, maximal 2byte plus ein 23 Pixel großes Face-Icon.

Das Stück nannten wir dann Doom Boys und, siedelten es wie Jens Balser so intelligent darlegt, zwischen „Free Jazz und Krautrock. William S. Burroughs und Kenneth Anger. Miles Davis und Can und Faust” an.

Aber wie mag das klingen? „Anderthalb Stunden lang arschlangweiliges Muckergedaddel ohne Anfang und Ende.” Dem wahren Musikliebhaber ist das ein Genuß.

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