Vom Hören (Teil 1)

by ikreidler

Detlef ist gerade umgezogen. Von Düsseldorf nach Düsseldorf. Es gab nach einiger Zeit doch Probleme mit der Lautstärke. Das kannte er zuvor nicht – beispielsweise in der Wohnung vor seiner letzten Wohnung, an einer starkbefahrenen Einfallstraße gelegen. Parterre.

Detlef braucht Lautstärke. Nicht umbedingt von der Stadt, von Aussen, aber selbstgewählte. Aus seinen Boxen. Von seinen Platten. Wenn er auf der MPC programmiert. Er kann nicht leise hören. Und immer Kopfhörer – geht natürlich nicht. Das Zimmer muss schwingen. Hier bin ich, Dein Resonanzkörper! More bass! More treble! Da ist es schwierig, Rücksicht zu nehmen. In seiner neuen Wohnung nun soll das wieder genauso funktionieren wie  früher. Vor allem more bass!!

Thomas ist heut früh aufgestanden. Einer der vielleicht besten Schlagzeuger der Welt (einer, der nämlich beim Spielen musikalisch denken kann!) mit seinem seltsamen Traum, irgendwann einen gastronomischen Betrieb zu öffnen. Vielleicht im Greisenalter. Eine Gebirgshütte auf einer Schweizer Alm. Oder doch am Meer in Südfrankreich, ein Landgasthof? Jedenfalls lässt er es sich nicht nehmen, in einem angesagten Düsseldorfer Restaurant zu arbeiten. Er ist kommunikativ, er dockt seinen iPod an.

Das Klappern von Besteck, das Klimpern von Teller und Tasse, stolpernde Schritte, das Kratzen in Töpfen, herunterfallende Deckel, das Klirren von Glas, Zerbersten von Holz – alles ist ihm Rhythmus.

In der nachmittäglichen Ruhe noch einen Espresso und mit dem Rennrad nach hause.

Bei Andreas rascheln Blätter im Innenhof. Ein spätsommerlicher Wind säuselt. Musik ist aus. An seinem Rechner ist der rechte Speaker ausgefallen, wo er doch laut genug war, mindestens das Radio zu ersetzen.

Der Plattenspieler ist im Studio aufgebaut, neben ein paar Plattenkisten. Den sortierten Teil Vinyl hat er zuhause – in Rolladen-Schränken aus den 20er Jahren. Der Rest steht im Keller, im trockenen Keller, bei den Cds, die bald raus müssen. Und dreihundert Stück noch in Köln verschenkt, vor allem Maxis, Club-Ware. Der zweite Plattenspieler, Tapedeck und der Luxman-Verstärker stehen im Kinderzimmer. Cd-Player auch, aber sein sechsjähriger Sohn hat bereits erfahren, dass man Audiocassetten und Vinyl mehr vertrauen kann.

Zuhause läuft wenig Musik. Ausser an Tagen, an denen Andreas nicht in sein Spreestudio kommt. Vielleicht ist das die nötige Ohrenpause. Denn auch vor der Tür spielt pausenlos Musik, und natürlich hat er kein Autoradio.

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