Toursvendémiaire

by ikreidler

Detlef bevorzugt seinen Monitor in Gesichtshöhe. Am liebsten zwei Boxen, links und rechts, direkt auf die Ohren. Er braucht ein feindefiniertes Klangbad, um sich auf der Bühne wohl zu fühlen. Nun dreht er auch Delays rein und raus, fährt das Faderboard rauf und runter, mutet und unmutet MPC-Spuren: das verlangt nach Lautstärke, um in Kontrolle zu bleiben. Front of House zwischen den Stücken: ja, sonst ausgeblendet; natürlich das Schlagzeug auf dem Monitor, die Keyboards und den Bass. Feindefiniert. Und von Song zu Song diskret angepasst. Am liebsten würde er seinen Monitorsound selbst mischen, aber dazu bräuchte er zwei weitere Hände.

Thomas hätte immer gerne etwas mehr von seiner Kick auf dem Monitor; ansonsten ist sein linkes Bein über ein Meniskusknorpel midifiziert und mit Detlef synchronisiert; der Fuss schlägt ein ins Trommelfell. Natürlich entspricht Detlefs Eins nicht seiner, wie Alex und meine nicht der Eins der anderen.

Alex ist ein erfahrener Bühnenmusiker und passt sich virtuos jeder Monitorumgebung an; mein Lieblingsmonitorsound ist: meine Keyboards leise von links unten, Thomas kriege ich live von schräg rechts hinten, und Alex und Detlef über Alex und Thomas Monitorboxen.

In Tours spielten wir in einem Jazzklub. Ein knackiger, trockener Sound abgestimmt auf (unverstärkte) Akustikbands. Nicht ganz geeignet für uns, aber die gute Mischerin mischte uns ziemlich gut. Wir spielten gegen Zuschauerränge, eng besetzt, doch Bewegung machte sich breit, man kann schliesslich auf kleinstem Raum tanzen. Wildeste Alkoholika kreiste backstage, nach dem Konzert ein Sprung in eine Indiebar, bevor um Fünf nach Zwei die Gehsteige hochgeklappt wurden.

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