Bochumnovember

by ikreidler

Das Ruhrgebiet. Herberge der besten Menschen Deutschlands. Natürlich müssen genau diese die meisten Hiebe einstecken. Deutschland GmbH & Co KG. Wir sind in Bochum. Nach den Zechen, nach Nokia, jetzt das große Auto Schaulaufen. Dinge können anderswo billiger und hässlicher produziert werden. Unter Guttenbergs siegreichen Fahnen. Von Wahlverdrossenheit kann gar keine Rede sein, wenn man keine Wahl hat. Schröderfizierte Postdemokratie, Schwarzgrüner Ekel oder Reichtum für Alle und alle besteuern? Deutschland AG. Die anderen erledigen das schon: ausgerechnet die, die für den ganzen Schlamassel verantwortlich sind, schlagen den Matchpoint. Auf allen Ebenen. Eine Frau als Aussenminister, ein schwuler Kanzler, ein gnadenloser Rollstuhlfahrer, der jüngste Abgeordnete und ein Vorzeige Asiate. Immerhin eine Gewissheit bleibt: dass sich keine Randgruppe ausrechnen sollte, jetzt einen Fürsprecher zu haben.

Opel also. Auf dem Weg zum Club passieren wir ein paar Werke. Eine sich auflösende Demonstration, Streikposten; der NTV Mannschaftswagen, der nach ein bisschen Spektakel giert. Ein paar Kilometer weiter in der Wüste, ein einsamer Familienvater mit leerer Bierflasche in der Hand schleppt sich mit leerem Blick nach Hause. Bleiche Mütter am Kinderwagen. Es regnet. Es ist grau.

Der Veranstalter ist besorgt, der Vorverkauf lief schlecht. Wir sind zu früh und drehen noch eine Runde in die Innenstadt. Flächendeckendes Fussgängerzonenelend. Detlef sucht einen Plattenladen am Bahnhof, er erkennt nichts wieder und bemerkt seinen Irrtum, er hatte Bochum mit Dortmund verwechselt. Wir trinken müden Kaffee. Auf dem Rückweg zum Club schickt uns der Navigator in die Nachbarstadt, die fliessenden Grenzen, das kennen wir aus dem Ruhrgebiet. Nach der Wendung geht es am nächsten Opelwerk vorbei. „Dann fahren Sie links, und dann fahren Sie links.” Wo war das nochmals? Alles bleibt anders.

Es kamen reichlich Besucher, das Konzert war klasse, der Sound war klasse, alles war gut. Und die Zuschauer machten sich über die mitgebrachten Fanartikel her.

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