Hannoverdezember

by ikreidler

Ich zwänge mich brutal verkatert hinter das Lenkrad des Volvo. Hannover reimt sich auf hangover. Die Strecke ist kalt, Sachsen-Anhalt regnet gnadenlos auf uns. Zweieinhalb Stunden später irren Alex und ich im nassen Winterdunkel vor dem Glocksee herum, auf der Suche nach Einlass.

Während des Soundchecks baut sich Interviewpartner Haselore Kohl neben der Bühne auf. Das kommt mir bekannt vor. Vor etwa 14 Jahren hatten wir das letzte Mal in Hannover gespielt. Das Konzert damals wurde zu einem dieser Egalaber- oder Aufdemrückwegvon-Auftritte (hier von Berlin nach Düsseldorf): der Veranstalter hatte irgendein Wehwehchen und Geburtstag, unsere Plakate lagen eingerollt hinter dem Tresen, er erklärte den Abend zu seiner Privatparty in seiner schrulligen Puppenstube mit dem schrulligen Namen Silke Arp Bricht. Schrullig schrullig. Freaky freaky. Es war nichts. Gar nichts. Damals verletzte uns so etwas schon. Und bitterness was rising.

„Immer wieder Profi sein” (T.DJ) lernten wir über die Jahre. Und auch die Anstrengung, nicht zynisch zu werden, und sich beispielsweise höflich selbst durch zuckrig buttrigen Wortteig zu mühen, wo ein Gespräch mit einem Stoffhäschen dann plötzlich doch erhellend werden kann, und zwar für alle Beteiligten.

Während des Auftrittes, beim ersten Stück, kurz nach 23 Uhr, war mein hangover endlich Geschichte.

Setliste:  Luminous Procuress, Zero, Brass Cannon, High Wichita, Mars, Doom Boys, Impressions d’Afrique.

Zugaben (1) Mosaik, Kremlin rules.

Zugabe (2) European Grey.

After the show war erschütternd. Ein Missverständnis seitens unserer Agentur hatte dazu geführt, dass der Club unsere Übernachtungsbuchung storniert hatte. In der Nähe kein Hotel zu finden. Also um halb zwei auf aus dem nassen Winterdunkel Niedersachsens, durch das gnadenlos regnende Sachsen-Anhalt ins freundliche Berlin. Um halbsechs endlich im Bett, aus unserem geplanten Sonntag im Studio wurde so natürlich nichts. Detlef blätterte sich durch die Kunstgeschichte und bastelte einen flyer, Alex war ganz family man, ich folgte der Einladung zu einem sanft-bohemistischen Kaffeekränzchen, Thomas ging schwimmen und kochte danach für uns. Vorzügliche Spinat-Lachs-Spaghetti mit einer Ingwer-Zitronensauce – Max Dax, übernehmen Sie. Den Abend beendeten wir im Diener. Wieder war es etwas später geworden.

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