Wo entsteht die Musik? (Teil 2)

by ikreidler

Wir treffen uns in Sebastians Studio. In Sebastians Projektstudio, um genau zu sein. Ein Begriff aus der Militärtechnik: Projekt kommt von Projektil, eine Waffe, die, in der richtigen, zielgenauen Hand, den eigenen Körper ins Visier nimmt und ihn zum Explodieren bringt. Hier heisst das London Underground, Sprengkraft Noblesse Oblique, Körper Valerie und Sebastian.

Es gibt genau eine weitere Art von Aufnahmeraum, das so genannte Dienstleistungsstudio. Ein funktionaler Ort. Dazu zählt man auch das Schlafzimmerstudio.

Der große Vorteil des Projektstudios liegt darin, dass das Alien Alien bleibt. Die Hürde, dass, bis der Aufnahmeprozess beginnen kann, Modifikationen vorgenommen werden müssen, Adaptivate, Passstücke etc. nimmt man dafür gerne in Kauf. Das Audio-Interface hat zwei Kanäle zuviel, Nummern bleiben gleich und verschieben sich. Das Lichtkabel leuchtet an, oder sind es doch vier Kanäle zuwenig? Alex mit seiner kalifornischen Tontechnikerausbildung muss alle Karten ausspielen. Das Lichtkabel raus, keine weitere Zeit mit Fehlersuche vergeuden, wenn der Umweg auch Abkürzung heissen kann. Press the button, Aufnahme läuft.

Wir spielen live, Thomas Kick, Snare, drei Overheadmikrofone, Alex Gitarre, Detlef MPC-Stereosumme, ich Audio-Instruments Stereosumme. Wir nehmen zehn takes von Mars auf. Ein sich finden, dann ein sich einfinden, übertreiben, konzentrieren, ein sich zurücknehmen und dem anderen zuhören, schliesslich die saubere Richtigversion, die beim Abhören weniger funktioniert als gedacht, und das wieder freier Werden im vorgegebenen Rahmen. „Timor, East Timor”, ein schleichender Schrecken, eine Landschaft, der man nichts böses ansieht, Euphorie in Dur. Als zweites Teatime – ein gefährliches vierzigminütiges Aufwachen, ein Stolpern von Alptraum zu Alptraum. Ich erinnere mich an eine Zeit, in der der Ballonfahrer Richard Branson solch einem Stück die Welt zu Füssen gelegt hätte.

Die Agenda 2010 beginnt Gestalt anzunehmen: Jeden day-off der Tournee für das Arbeiten in einem Studio nutzen! Next stop: Electric Avenue Studios, Hamburg. Obwohl, von Stop kann keine Rede sein.

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