Hamburgoffdezember

by ikreidler

23 Stunden sind ein Tag. Electric Avenue, 11 Uhr morgens. Alex hatte uns zu dieser Aufnahme-Session überreden müssen. Tobias hat bereits 22 Mikrofone hergerichtet. Thomas wird sein Schlagzeug um sie herum bauen. Leichtfüssige Schallabsorber dazu und wir haben das IHK prämierte Schaufenster des Erstdekorateurs von Lampen Schmitz aus Ruhleben. Der Klang aber, der Klang ist nicht von dieser Welt.

Unser Plan ist es, zwei bis drei Stücke aufzunehmen. Aufbau– und Einrichtzeit eingerechnet, sind zwei realistisch. Das wären und werden Mars und Kremlin rules.

Ich frage Tobias nach seinen Apogee Audiowandlern und den Wiener Schwachstrom Werke EQs. Er erklärt sich nur bedingt für zuständig: sein eigentliches Interesse gilt Mikrofon und Verstärker. Die Snare etwas brillanter, etwas mehr Obertöne von der Standtom – Tobias ändert die Mikrofonie. Das Schlagzeug klingt einfach fantastisch.Von Steve Albini lernen, heisst, Siegen lernen, meint Tobias. Wer braucht Avalon Equalizer oder Massenburg Kompressoren, wenn er Ulbricht-Kolben und Neumann hat. Oder röhrenverstärkte DI-Boxen und Kristallglasfaser-Instrumentenkabel.

Tobias wirft mir das Mellotron an, und Kremlin rules wird echt. Bei Mars darf ich den Schellenring in Schräglage synchron zu Thomas Tamburspiel schlagen. Detlef schraubt derweil an der Roland 202, die Tobias ihm zum Ende des Tages überlassen wird; die 808 will er dann doch nicht verkaufen, obwohl er sie noch nie benutzt hat, seit sie midifiziert ist, denn sie ist nunmal die Mutter par excellence des HipHop. Dirk, der zu Besuch gekommen war, verabschiedet sich herzlich, er ist reichlich beeindruckt. Es ist später geworden, ein paar weitere Percussion-Overdubs von Thomas, eine more extended version Firewireüberspielung, kurz nach Zwölf sind wir raus.

Ein Nachmitternachtsnack auf der wie immer aber schon lange nicht mehr gesehen von Mädchen in knalligen Skihosen bevölkerten Reeperbahn, ein Blick ins Hafenklang, wo ein gruseliges Zottelpunk Tischtennisturnier stattfindet, ein 2 Uhr Morgens Bier in der  Haifischbar mit einem unterirdisch zotigen Kneipier an der akustischen Gitarre – und ab ins Feldlager.

Süsse Träume, im Wissen, dass sich für diesen einen Studiotag jegliche Tourstrapaze gelohnt hat: Agenda 2010 – „we gonna rock on through!”

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