Mosaik 2014, Januar 2010 (Teil 2)

by ikreidler

Ich sitze im Spreepark–Studio. Auch der modifizierte Dual verlangt wohl bald nach einem neuen System. Ich werde Mosaik 2014 über meine Event–Nahfeldmonitore abhören. Detlef am Telefon, sein Stanton ist gerade so un–eingemessen, dass er das erste Stück auf einer Schallplattenseite immer überrutscht. Hat Mosaik jetzt zu viel Bass, oder hüpft die Nadel vor Freude? Was hat Thomas eigentlich zuhause stehen? Das erinnert mich daran, wie Oliver Tepel vor Jahren mir gegenüber bemerkte, welch schlechte HFi–Anlagen deutsche Musiker im Vergleich zu britischen hätten. Ich hatte nie nachgefragt, von welchen Musikern er sprach – Supergrass oder Jimmy Page, Brian Eno oder Mike Silver? – und woher er das überhaupt wüsste.

Die Technics und die P.A. im Salon des Amateurs jedenfalls sind auch nicht die Referenz. Aber vielleicht doch. Vielleicht doch alles.

Event sind hierzulande nicht wirklich populär, wo einem alle nur von ihren Adams oder Genelecs vorträumen. Hans Nieswandt und Adam Butler sind die einzigen Musiker, die mir jetzt einfallen, die auch Event-Monitore nutzen. Die Mosaik 2014 – Sessions liefen über die Events. Meine Boxen sind nicht mehr erhältlich, wie überhaupt alle laufenden Reihen eingestellt wurden: der australische Mikrofonproduzent Røde, der das amerikanische Unternehmen vor 3 Jahren übernahm, hatte alle Kräfte auf die Entwicklung des weltbesten Zweiwegemonitors konzentriert, der hierzulande wahrscheinlich nicht wirklich populär werden wird.

Ein Fischadler lässt sich gemächlich auf einer kleinen Eisscholle vorbeitreiben und quittiert das Einsetzen des Basses mit einem abfälligen Blick. Ein Schneerutsch vom Dach vertreibt schnatternd die drei Enten unter meinem Fenster. Keine Schifffahrt heute. Tauwetter. Klingt gut.

Und wenn ich schon dabei bin: die Events stehen auf meinen alten HiFi-Boxen, siehe Eintrag Vom Hören (Teil 2): 1999 hatten wir den Remix von Pia Lunds Uh Uh Yeah auf ihnen produziert. Mit einem Haufen seltsamer und zügiger wieder verkaufter elektronischer Geräte – halbgelungene Versuche namhafter japanischer Instrumentehersteller in den späten Neunzigern mit dem Zeitgeist mitzuhalten – und dem Akai S1000 für Stimm-Samples. Ordentlich Bass durch das Mackie-Pult und weg war ein Tieftöner. Ich hatte versucht, ihn auswechseln zu lassen. Leider war aber bei dem Lautsprecher die Herstellerkennung weggekratzt worden. Ich hätte mich dumm suchen können, vier Tieftöner auswechseln – was natürlich wenig Sinn macht – oder es sein lassen. Oder es sein lassen. Die Boxen hatte ich mit 17 bei einem in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, angesagten Lautsprecherbastler gekauft. Er arbeitete tagsüber in der Chemischen Industrie, nach Feierabend wurde sein Wohnzimmer zum Ladenlokal. Wahrscheinlich verkauft er heute Zune MP3-Player. Im Laufe der Jahre wurden die Kisten ein bisschen lächerlich. Hübsch anzusehen, nur leider mit etwas fragwürdiger Akustik: das Prinzip Bose. Damals hatten all meine Freunde Lautsprecherboxen von ihm. A must have. In seiner Nachbarschaft wohnte unsere New Wave-Friseurin – sie schnitt und färbte uns abends zuhause oder auch schon mal in der Tiefgarage unter dem Rathaus die Haare;  sie war  in einem offiziellen Salon angestellt; im Unterschied zum Boxenbastler hatte sie ihr Handwerk gelernt.

Mein Lautsprecher-Traumpaar verkaufte er mir mit dem brandaktuellen Grace Jones Hit Party Girl, die Bässe führte er mit Film 2 von Grauzone vor. Ich war restlos begeistert. Zuhause musste ich allerdings immer mal wieder mich wie auch meine Freunde überzeugen, dass der Mittenbereich bei Musik eher von tertiärer Bedeutung sei, dort zeigten die Boxen nämlich offensichtliche Schwächen. Party Girl und Film 2 aber klangen auf ihnen all die Jahre perfekt.

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