Dazzledorffebruar

by ikreidler

Die Landeshauptstadt hat gerufen. Mal wieder. Man muss das ja mal etwas objektivieren. Aus der Postkölnischen Perspektive. Wer wo und wie vorne liegt.

Zweierlei Springböcke.

CDU- und Sportelend hier wie da. Aber zu was für einem brutalen Selbstbedienungsladen Köln verkommen ist, da hätten selbst ein Helmut Kohl oder ein Roland Koch noch etwas lernen können; wenn es so etwas wie Gerechtigkeit geben würde, sässe die politische = karnevalistische = wirtschaftliche Riege  – von rechts bis so genannt links – längst hinter Gittern. Und da sprechen wir noch nicht mal vom Kulturbereich, und dem Stellenwert der ihm von Stadtseite beigemessen wird; wo es mittlerweile schon schwer fällt, überhaupt noch vom absteigenden Ast zu sprechen. Ganz unten uns. Man erwartet ja nicht direkt Unterstützung, aber doch zumindest ein Zulassen und kein mutwilliges Zerstören von Orten und Möglichkeiten.

Und wie die Jugend sich bereits vor Jahrzehnten angepasst hatte und an Unorten feiert. So wurde das Ego zum besten Club Kölns, der eben genau nicht in Köln lag. Rezession seit den Spexparties, seit Rave, Whirlpool, Gerald Hündgens Soulful Shack, Cosmic Orgasm, to name a few. Denn plötzlich. Was war passiert. War was passiert. Was dann blieb, das Sixpack, das Liquid Sky, die totale Konfusion. Und Stil hatte sowieso nie dazugehört. Ob das Kind jetzt Niedecken oder Kompakt heisst. Erstaunlich, aber darüber hat sich die Kölner Szene nie definiert. Ein schlapprig studentischer Look (vielleicht nicht umbedingt Habitus), der Mode scheinbar suspekt fand und findet (vielleicht auch nur anstrengend).

Über alle Ländergrenzen strahlte das Liquid Sky und dann die Enttäuschung der Besucher aus London, die einen teutonisch futuristischen Synthesizerpark erwarteten, und mit einer gemütlichen Hippiebude Vorlieb nehmen mussten, oder die ehemalige Techno-Avantgarde von Kompakt, die im Schmuckkästchen feierte, einem Laden mit dem Charme von Papis Partykeller. Etwas besseres als den Tod finden wir überall. „Nein”, widerspricht die Firma; der Unterschied zu Düsseldorf sei, in Köln gebe es eine Community, man halte zusammen. Die nette Form von Klüngel; man ist ja kein Barbar, man ist ja ein Kind der Römer: Demokratie naja, aber zumindest Bewusstsein wurde ihm eingebleut.

In Düsseldorf staksen Teenager ungelenk in monströsen Rick Owens Schuhen. Nennt es lächerlich, aber das guckt man gerne, da zuckt die Hand zum Kajalstift. Oder Lucas Croon, in der neuesten Post-NuRave Kollektion seiner Freundin, das unterstreicht die immense Aufregung, die er aus Synthesizergerümpel erzeugt. Um die Ecke der Salon des Amateurs, mit der Mischung aus wilder Musik, wildem Film und Alkohol plus einem Schuß Sartorealismus, Schickness und Kunstakademie. Wobei, Ehre, wem Ehre gebührt, Dirk Meckys Coco Schmitz, mit harter Hand von Andrea Nieswandt  programmiert, löckt wider.

Moment, wo sollte das eigentlich hin? Hundertelf Worte:

Das NRW Forum befindet sich auf dem ehemaligen Düsseldorfer Messegelände,  ein Kreis-Bau mit rotbrauner Ziegelfassade für die Gesolei in den 1920er Jahren errichtet. Backstage finden wir Leigh Bowery-Postkarten und ein Ensemble aus Einmachgläsern mit Quittenmarmelade. Mapplethorpe ist zugesperrt, die Bühne sind zwei Tränen, von oben schauen uns dicken Puppen in Viktor & Rolf Kostümchen streng an. Wenn das der QVC-Shop wüsste. Hinter uns eine Projektion des iBookstores. Zwanzig Minuten gehören dem Bürgermeister. Man sagt, Rolf sehe wie mein Bruder aus (Ihr kennt meinen Bruder nicht!); die Tischchen werden beiseite gerückt, die Türen werden aufgedrückt, die Massen stürmen den Raum und die folgende Stunde gehört Euch. Euch Kölnern und Düsseldörfern. Alles gut.

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