Morbovia (Teil 4 – Basic Body Repair & Paint Techniques)

by ikreidler

What makes you happy?’, I asked. – ‘If I order coffee and am served tea.’

(Kreidler, Appearance and The Park)

Heroin und Joga setzen am gleichen Punkt an; am Basisschmerz, den jeder ständig in seinem Körper verspürt. Am Intensivsten wahrnehmbar, wenn man sein Augenmerk auf eine bestimmte Stelle richtet. Die Methodik der beiden Drogen ist aber völlig unterschiedlich. Wo Heroin die Schmerzen ausschaltet und so dem Denken erlaubt, sich gänzlich und linear auf eine Tätigkeit zu konzentrieren, da zelebriert Joga den Schmerz.

Ein Problem des Heroin ist, dass mit seinem Gebrauch die Innenwahrnehmung nicht mehr mit der Aussenwahrnehmung kongruent läuft. Der in sich ruhende Junkie ist für den Beobachter ein krakeelend lallendes Etwas. Seine Haut ist teigig grau, von der Beschaffenheit eines gerupften Truthahns. Ein andere Schwierigkeit liegt darin, gutes Heroin zu bekommen. Das ist nämlich nicht zu bekommen. Stattdessen bezahlt der Junkie für einen verschnittenen Dreck, von dessen Inhaltsstoffen er nur ahnen kann. Und er bezahlt satt. Zum Hauptproblem des Konsumenten aber wird seine Abhängigkeit; warum auch nicht: schmerzfrei und fokussiert zu sein, ist ja nicht das Schlechteste. Wo aber eben das konzentrierte Denken noch zu wirklich tollen Ergebnissen kam, da regiert von nun an nur die eine Frage, nämlich, wie das Geld zu beschaffen sei für die nächste Ladung Rauschgift. Alle Kreativität ordnet sich fortan dem Ziel unter, den schnellsten Weg zur Suchtbefriedigung zu finden, das heißt Kinder, Alte und Schwächere, Partner und Freunde zu belügen, zu betrügen, auszuliefern und auszunehmen. Der Basisschmerz war natürlich nie wirklich verschwunden, er kann gar nicht verschwinden, das würde allen physikalischen Erhaltungsgesetzen widersprechen, sondern wurde nur in eine andere Zeitebene gepresst, in eine kommende Zeit, wo die Droge fehlen und der Schmerz dann potenziert zuschlagen wird. Es gibt kein Entrinnen, hör mit Schmerzen, draussen ist feindlich, nun musst Du den Truthahn verspeisen, und der schmeckt kalt und bitter.

Lasst die Finger davon, Kinder. Es sei denn, Ihr seid Keith Richards. Denn gegen Keith Richards gibt es wenig Argumente.

Gegen Sting gibt es eigentlich nur Argumente. Dass er Joga übt, aber gehört nicht dazu. Als erstes, vergiss Menschenfeindlichkeiten wie Hinduismus, Buddhismus oder anderen Religionsquatsch. Joga ist das Bereitstellen – vor jeglicher Aktivität. Die Gelassenheit – während jeglicher Aktivität. Und die Regeneration – nach jeglicher Aktivität. Joga ist Aufwärmen, Übung und Entspannung. Joga schärft die Konzentration, schafft Haltung und lehrt das Atmen. Joga geht überall. Im Tourbus, unterm Tisch, aufm Schrank. Glücklich, wer auf so eine coole Lehrerin wie Hiltrud  L treffen darf, die Meisterin des Kölschen Pops – H Nieswandt, E v Lieshout, H Schmidt, A Zerlett, C Biermann, S Pitcher undsoweiter. Iyengar Joga kitzelt Nerven, weitet Kanäle und dehnt Sehnen. Man braucht keine speziellen Gerätschaften, kann aber allerlei Dinge zur Hilfe nehmen. Bank, Decke, Klotz und Stein. Iyengar Joga ist präzise. Und lässt Dich Deinen Körper deutlich spüren. Und Du gehst genau in den Schmerz hinein, und dann spaltest Du ihn und gehst zwischen ihm noch tiefer hinein, spaltest erneut undsoweiter. Hiltrud L sagt: undsoweiter. Sich nach durchzechter Nacht in die Gurte zu quälen, es gibt wenig Schöneres. For a start: wer es vermag über „Aum”, das dritte Auge und den Schmetterlingsschlag hinwegzuhören, der kann auch bei jeder anderen Jogaschule zugreifen, selbst bei neu designter coffee-table Ware wie Powerjoga, Jogilates oder Hotjoga. Etwas Besseres als Rhythm’n’Blues findest Du allemal.

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