Unmask (Teil 1)

by ikreidler

Abgang. Beim vermutlich letzten Stück, vor der wahrscheinlichen Zugabe, bin ich weg. Aufgang. Müssen die das jetzt alles abkriegen? Ja, schliesslich muss man einmal irgendwo anfangen; natürlich sind sie Platzhalter für eine ganze Szene. Und, nein, niemand hat danach gefragt; schliesslich ist das hier weder Satanisten-Seminar noch Demokratische Veranstaltung.

Zuhause lege ich erstmal Lennie Tristano auf. Um zu hören, was cool ist. Nicht, dass Francesco Tristano mit ihm verwandt wäre. Das wäre natürlich hübsch, darüber zu schreiben, wenn der Vater Gott sei, könne der Sohn nur scheitern; mit Verweis auf die Generationen-Ausnahme Bach (mit dem König Johann Sebastian, der Dame Notenbüchlein und unzähligen Springern, Läufern und Türmen). Detlef textet mir charmant: „Tristano? Kenne ich nur aus Die Versteigerung von No. 49”, während er vermutlich gerade durch seine BeBop – Sammlung blättert.

Und danach die Acid Brass Cd. Um zu schauen, wie es einmal richtig gemacht wurde; der einzige Weg: als Konzeptkunst nämlich. Techno mit richtigen Instrumenten, Bäh. Vom Blatt gespielt, Doppel-Bäh. Ein paar raven zum Medley Strings of Life – The Bells. Wie bitte? Diese Stücke bedeuteten einmal etwas. Bedeuten immer noch Millionen mal mehr als das hier. Marek i Wacek plus Powerdrummer  als Jean-Michel-Jarre-Coverband-Show-Orchestra. Man mag ihnen zu Gute halten, dass sie nicht Ikea sind, wie so viele andere. Sondern Habitat. Aber sollte man als Musiker unter Jean Prouvé zurück gehen? Man sollte nicht. Warum es dann auch das dritte Eve Future Album nicht mehr geben konnte. In Ermangelung von MDMA werfe ich ein paar Walnüsse ein.

Hilft auch nichts.

Was es mir dann doch nicht so einfach macht, und wie der eifrige Blogleser schon ahnt, ist, dass ich Bands irgendwie auch bewundere, oder etwa beneide?, zumindest aber bis zum vermutlich letzten Stück vor der wahrscheinlichen Zugabe bei ihnen verweile, die eine gefällige Form gefunden haben, zu denen sich gefällig bewegt wird, denen gefällig applaudiert wird, kurz, Bands, die sich zu einer Funktion gemacht haben. Muss das aber immer auf Kosten der Landkarte gehen? Dieses hier ist Kopie. Zwar von drei schnuffeligen Jungs vorgetragen, aber eben nicht mehr. Musikstudenten-Fusionjazz. Nein. Nicht mal das. Da klänge wenigstens noch Verzweiflung heraus.

Kurz bevor ich ging, begriff ich: ich bin in 1975 angekommen, wo nebenan in der o2 Arena bei Peter Gabriel die Progrock-Post abgeht, da darf ich im Berghain Emerson Lake and Powell beiwohnen. »Oder Nice.«

Post scriptum: SMS von Detlef, 1 Uhr 24: „Ach bei Pynchon heisst es auch Tristero! Deshalb :)))” Deshalb.

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