Tag siebenunddreistig

by ikreidler

Berlin, in Gedanken in Köln. Detlef meldet sich per SMS aus dem Bermudadreieck in der Innenstadt: »In einem Laden, in dem ich noch nie war, entdecke ich eine Drkshdw Jacke, die aussieht, wie aus einer Linoldruck-Unterlage geschnitten, in ihrer extremen Verbügeltheit muß ich an Stephan Schneiders Kollektion von vor ein paar Jahren bei Heimat denken, wo Mutti seine Inspiration war, die die Sachen zu heiß gewaschen, schlecht gebügelt und falsch gefaltet hatte. Aber nicht so fröhlich, mehr Gothic natürlich wie Ann Demeulemeester oder die Shirts von den Modestudenten, die wir vor ein paar Jahren beim Kreidler-Konzert in der Van Dyck-Ausstellung in Antwerpen gekauft hatten. Die Jacke ist zwei amerikanische Pfund schwer, was heißt, dass sie 1,2 Kilo hat. Sie kostet achthundert Euro das Kilo, und es gibt Accessoires von Bless, für sechzig Euro je Kilo, alles sehr interessant, es gibt auch einen neuen Designer-Secondhandmarkt. Man braucht hier einfach eine biologische Schnellreinigung, und die hab ich hier.«

Ich hüpfe aus dem Bett, ziehe meine eierschalenfarbenen 6 Euro 50 Espandrillos an, setze die verkratzte YSL-Brille auf, schwinge mich in meinen seidenen Tagesmantel und husche unter die Dusche. Christian Dior Ambre Nuit, Socken mit Playboylogo, ein Geburtstagsgeschenk von Jan, die Wäsche von Jockey, das weiße Hemd mit seiner verdrehten Knopfleiste aus der allerletzen Martine Sitbon Kollektion, die Ezekiel aus dem Skatershop auf der Kölner Hahnenstrasse, Krawatte von Kris van Assche, Schmetterling von Louboutin, Wollpullover von Raf Simmons, ich schließe das Wildschweinlederband meiner goldenen победа, ich schichte die rosa-weiß gestreifte April 66 Weste unter den Mantel von Surface to Air unter die Dries van Noten Regenjacke mit den zu weit geschnittenen Ärmeln, verknote locker den grau-grün melierten Eric Bompard-Kashmirschal, ein Geburtstagsgeschenk von Ket und Andro, schlüpfe in meine handmade-in-Georgia-Shoezophrenia Boots, ziehe endlich die Handschuhe von Chubika an, und in einem Gewitter reimt sich auf Twitter-Schlagabtausch reizen Detlef und ich das Für und Wider des Hemd-in-oder-über-dem-Hosenbund-Tragens aus. Bis der Akku in meinem Svarovsky Iphone leer ist. Auf dem Weg nach draussen schmeisse ich es in die Gelbe Tonne.

Noch eine Milliarde Tage.

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