Batterypark (Teil 1a)

by ikreidler

Der Marschbefehl steckte in einem Umschlag mit zwei Portionen Astronauteneis und weiteren Instruktionen: »Lot 1: Spreeblick-Studio, Korg 707.« Alex hatte mich als Keyboarder für den Narrow Bridges Auftritt, Mittwoch nächste Woche in der Tanzwirtschaft Kaffee Burger abkommandiert; neben dem Bongospieler Sebastian Vogel von Kante. »Lot 2: rehearsal, 1pm sharp.«

Den 707 also. Ich befreie ihn aus seiner Ledertasche und wachse ihn mit Leinöl ein. Damit ging die Zeitrechnung los. Bei Mutual spielte ich auf was-eben-da-war – Staubsauger, Eisenwaren, Klarinette, Fahrrad; bei Smuel Goldberg, 1987 – 1988 auf dem Casio SK1 Plastiklärm, dank des eingebauten Minisamplers Megaplastiklärm – bis zu »Weekend« war er auch bei Kreidler mit auf Tour; als Sons of Care Gast durfte ich Bernd Zimmermanns Flächenkönig Alpha Juno-1 bedienen; aber mit dem 707 ging die Zeitrechnung los. Der wunderbar technische Klang des Korg Performancesynthesizers. Frei von jeder wilhelminischen Idee wie warm-und-weich-muß-es-klingen. Moog-freie Zone, hier. Im Studio von Jörn Elling Wuttke und Roman Flügel arbeitet er auch.

1988 bei Deux Baleines Blanches wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, etwas anderes als Werksounds zu benutzen. Doch 1992 bei Aufnahmen im B-Orange-Studio sollte sich mir das Geheimnis der internen Speicherbatterie offenbaren: wie Wahrheit entsteht, wenn man sie nicht regelmäßig wechselt. Am zweiten Tag der Produktion schaltete ich mein Gerät ein und mir blökte ein typografisches Mash-up globaler Schriftsysteme und Sonderzeichen entgegen, wo vor knapp zehn Stunden noch Jazz organ, Piano 1 oder Snare Vertrauen schufen (Namen, die von Korg relativ leger über Sounds gelegt wurden, die dadurch zu so etwas wie Mutmassungen der mit diesen Namen verbundenen Sounds wurden). Der zweite Tag der Produktion also, und alle benötigten Klänge weg. Toplap regierte – sich ständig verändernde Sounds, ein Pfiff, ein dünnes Bürsten, ein mumbelnd niederfrequentes Oszillieren, das über einen mehrminütigen Verlauf zu einem harschen Sägen wird. Wenn ich versuchte, in den Parametern eines dieser seltsamen, von mir nicht programmierbaren, Zeichen in eine von mir programmierbare Zahl zu ändern, stürzte der 707 ab und startete sich neu. Ein ums andere Mal. Soll Stefan doch singen. Ich fuhr mit meinem Toyota zu Rainbow Music, ließ die Batterie austauschen und trank in den nahen Wehrhahnstuben ein Glas Baldrian mit Western-Cola. (..)

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