Batterypark (Teil 2a)

by ikreidler

Das eingestrichene C hängt; ich spiele die linsenförmigen Parameterknöpfe durch, Internal/External Memory hakt, aber dann spuckt sie doch die gewünschte Informationen aus: “Andreas und der 707, das sehe ich immer zusammen”, sagte Klaus Dinger.

Von hier aus. Denn damals hatte ich verstehen lernen müssen, wie sich ein Klang aufbaut, und das Gerät mir zu eigen gemacht. Der 707 ist ein abgespeckter DS8, ein FM Synthesizer, das heißt, Klänge werden erzeugt, in dem (im einfachsten Fall) eine Frequenz eine andere moduliert – ähnlich Yamahas allerdings auf Phasen Modulation basierenden, millionenfach verkauften DX- und TX-Monstern.

Jetzt konnte man nicht behaupten, dass der DX7 leicht zu programmieren war, man musste schon einen Algorithmus-in-Audio-Wandler am Biopart angeschlossen haben, um einigermassen vorausberechnen zu können, was es denn für den Klang bedeutet, wenn ich die Amplitude des 333 Hz Tones A, der den 200 Hz Trägerton B moduliert, erhöhe und diesen Ton A->B anschliessend als Modulator auf Trägerton C schicke, und zu allem Unglück das ganze nochmals rückkoppele. Man spielte also die Werksounds, und die hört man auf jeder dritten Platte der mittleren 80er Jahre (so wie heute jede dritte mp3 nach Garageband-loop oder Ableton-Effekt klingt).

Korg hatte mit dem DS8 und 707 das gemacht, was Apple beim PC tat. Eine vernünftige Benutzeroberfläche eingeführt. Selbst ich, der ich den Computerkurs im Gymnasium verweigert hatte (und stattdessen Irre von Rainald Goetz auswendig lernte), begriff nach kurzer Zeit, wie man einen rudimentären Klang programmieren kann. Orgel, Lead und Bass machten Anfangs etwas Mühe, Toplap dagegen war ein Selbstläufer, und Toplap bedeutete Party! „The Message is Gute Laune, Alter.” Meine Programme hiessen dark skatter, detroit-01, RichiSerra, Q<-Q<-Q<-Q<-Q-> oder hui_ _ _ ibu _ _ _ und genau so hörten sie sich auch an. Damit veränderte ich das Klangbild meiner Band. Ich hatte keine Wahl und konnte meiner erwachten Liebe zu zeitgenössischer elektronischer Musik, zu Techno Ausdruck verschaffen; damit war ich einsam bei Deux Baleines Blanches, aber es wurde dann ja. Sound of Weekend, das war der 707. Kristalline Klänge mit einer Unmenge von Obertönen. Selbst jedes Zerren, jede Ringmodulation war eine Botschaft in Klarheit, eine in Glas gravierte Ode an die Schönheit.

Etwas besseres als Sampling fand ich allemal. Das Programmieren einigermassen verstanden war es mir bald danach schon wieder langweilig. In einer Band übernimmt schließlich jeder seine Aufgabe. Bei Kreidler ist Detlef dafür zuständig, an langweiligen Sounds rumzumäkeln. Und der Juno 106 sollte uns dann vorwärts in die 1980er tragen.

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