Performancen

by ikreidler

Das basso liegt auf einer der Scheiben ausserhalb der Cassinischen Spalte und bewegt sich um die gasförmige Mitte der Stadt. Um die Distanz von meinem Ruhepunkt A zum Ausgehpunkt b am schnellsten und sichersten zu überbrücken, ziehe ich den Gleiter aus schwedischer Produktion nicht durch das Zentrum, sondern beschleunige kurz und lasse mich auf einem der äusseren Ringe zum Ziel tragen.

Im basso eröffnen Neda Sanai – deren Stimme man von R.I.P. Burnface kennt – und Steev Lemercier – of The Lala bys –  für Jules Etienne and the Monsantos mehrstimmigen Folkrock: la liberté l’amour  l’amité la mort sagen letztere, während Steev aus Jean Cocteaus Oktoberwerk Clair-obscur aus dem Jahr 1954 liest, Neda dazu das E-Piano spielt und iPhoto in Tropfenüberblendung Berlin, Titan, Telesto, Ymir und mehrköpfige Schildkröten zeigt. Hübsch und richtig.

Ich entdecke Karl Holmqvist unter den Zuschauern, und muss an Ei Arakawas Performance Nacht von März in der Galerie Neu denken, wo Karl eine Art Yoga-Alphabet aufgeführt hatte. A Body Physique Letter. Und muss daran denken, wo überall hier vielleicht Passtücke zu finden sein könnten, für den kommenden Auftritt in der Serpentine. Und so verfange ich mich beim Rausgehen in einer Gravitationsmatrix, lande im Salut am Schlesischen Tor, glücklich für die nächsten siebzehn Stunden, und werde erst durch den Ruf von Noblesse Oblique zurück ins basso katapultiert. Ein wunderbar absackender Mond mit vorüberziehenden Wolken, ein rauchverhangener Raum, den die  akustische Gitarre gnadenlos durchschneidet, ein Grüngürtel umschlingt die Körper, die Haarpracht, mühsam unter dem schwarzen Hut aus Ölzeug gebändigt, explodiert schon nach dem ersten Stück. Die Mikrofone sind zu leise, wenn die Mitten dröhnen, dann sackt der Mond ab, die strenge Choreographie des deutschen Stummfilms übernimmt und expressiv wird das Tamburin bearbeitet, schliesslich das Armaturenbrett. Der Raum ist gepackt und feucht.

Ich stelle mir Sebastians präzis sonore Stimme in einem Kreidler Stück vor. Die Wege sind bekanntlich kurz geworden, eine weitere Linie vom Rheinland nach Berlin, Sebastian ursprünglich aus Düsseldorf, mit Noblesse Oblique gern gesehener Gast im Salon des Amateurs; Thomas spielte Schlagzeug bei Sebastians und Ralf Becks Projekt Der Räuber und der Prinz – Ralf Beck, der Mann hinter Amontillado Music, das Label, das Detlefs ersten Tolouse Low Trax Tonträger veröffentlichte, Ralf Beck, der als Unit 4 den Oro Borum Bonga Baum Chant Remix zu  Impressions d’Afrique beisteuerte –; Der Räuber und der Prinz, nicht der originellste Bandname, aber Adel verpflichtet schliesslich.

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