London (pt. 1)

by ikreidler

»England ist wirklich wegweisend in vielen Bereichen, z. B.:

Alkohol/

Kriminalität/

Männer/

Fernsehen/

Sex/

Class (…)«

(M. Lahme, Entrance Engineering, Ego Düsseldorf 2000)

London, wirklich wegweisend. Exakt im Moment der Ankunft schrillt der Fernsprecher. Unser Abend wird programmiert: Dinner in Smithfield. Dort, wo sich früher die mit Rauchwurstgeschmack verhangenen Redaktionsräume von Marxism Today befanden. Einer dieser wegweisenden Restaurationsbetriebe, wie sie seit Mitte der 1990er in dieser bis dahin gastrofreien Stadt herangewachsen sind. Bei den Gästen, die schon öfter hier sassen, hatte jedoch eine stumpfe Gewöhnung eingesetzt; sie rumorten ob der wiederkehrenden Menuefolge, Fleischberg nach kaum gegartem Garten– und Wurzelwerk, dass allerdings auch der Wein – rot wie weiß – wie immer schmeckte, nämlich vorzüglich wie immer schmeckte, schien sie weniger zu stören. Und die in der Hauptstadt Britannia übliche Prominentendichte verlieh selbst dem unaufregenden Nachtisch, einem Schüsselchen fader Erdbeeren, Glamour.

Der Dienstag gehörte, wie erwähnt, der Serpentine. Wir führten Ende einer Ehe auf, ein zwanzigminütiges Drama in gelbem Buchrücken auf iPhone und Vokalmikrofon gerahmt von einer Jellyfish-Projektion. Das Dinner danach in Kensington in einem Londontypischen Club, wollte sich nicht entscheiden zwischen persisch und italienisch, der Wein erneut ausserordentlich – rot wie weiß –, die Gäste, just rattle your jewellery. Keine Kreidler Cds dabei, stattdessen vcards texten. Anschliessend im Croucho-Club wurde wegweisend gesungen, der Gin Fizz war schlapp, beim Verlassen verloren wir vorübergehend unser Sehvermögen in einem vorbeiziehenden Blitzlichtgewitter, das Fräulein Geldorf samt Entourage begleitete.

Am nächsten Tag der Rundgang von Westen nach Osten von Norden nach Süden, Picasso und Skittles, AnOther Fantastic Man und Oscar Tuazon, Gentle Woman und Oatcakes. London, wegweisend. Selbst im Zwischendurch-Scheitern.

Und für den Abend hat uns die fantastische Pauline Daly ins Barbican Center zur Michael Clark Company eingeladen.

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