London (pt. 2)

by ikreidler

Im Barbican Center ein Wiedersehen mit der fantastischen Ellen van Schuylenburch, assistant to Michael Clark. Sie wird heute Abend leider nicht tanzen. Aber Aufregung auch bei ihr, als wir Jarvis Cocker an der Kasse entdecken. Sie wird ihm das Programmheft überreichen.

Wir sehen das gleiche Stück wie im Dezember in Berlin, come, been and gone – leicht ergänzt.

Am Eingang zum Theatersaal wird vor graphic und volume gewarnt. Aber wir sind in London, davor lässt sich hier niemand schrecken. Quer durch die Generationen. Die Musik zeigt deutlich Präsenz. Beinahe Function-One. Und alleine durch die Lautstärke gewinnt auch der Tanz so enorm an Präsenz und Dramatik, dass die letztjährige Aufführung in den Festspielen mir nur noch ein Schatten ihrer selbst gewesen zu sein scheint. Für eine zukünftige Michael Clark Performance in Berlin fällt mir nun eigentlich nur ein einziger Ort ein. Ostgut übernehmen sie.

Pause mit Gingerbeer.

Alles, was vor einem halben Jahr etwas wackelig schien, alles, was illustrativ war, alles, was okay war, ist nun auf dem Punkt, sitzt an der richtigen Stelle, ist brutal überzeugend. Es mag auch mit an der Chemie des Ortes liegen, dem Barbican Center, das Brasilia Europas, in London, der Stadt, in der Michael Clark vor drei Dekaden mit seinen ersten eigenen Stücken debütierte.

Malerei wird ins Bühnenbild eingezogen, Klein- und Großformate von Peter Doig. Das lässt mich an I Will, unsere Inszenierung im Düsseldorfer Schauspielhaus von 2005, denken. Andererseits öffnete damals Stephan von Walderdorff in Leigh Bowery- Kostümierung das Theaterstück.

Pause mit Springwater.

Ein neues Kapitel wurde eingeschlagen. Bowie. Diamond Dogs. Als sich die Pailletten besetzte Brandwand  hebt, spielt Sweet Thing. Ein Paar tanzt auf das Publikum zu und stürzt sich in den Orchestergraben. Then jump in the river holding hands: Uns stockt der Atem.

Michael Clark sieht fantastisch aus. Wie immer. Er hat sich eine neue Szene geschrieben. Sein Tanz ähnelt Yogaübungen. Zwischenapplaus. Es sieht schmerzhaft aus. Zu viele Sprünge, Verdrehungen und Überdehnungen in den letzten vierzig Jahren. Genau das, was die Mitglieder seiner jungen Company jetzt auch tun. Jean Genie, du hast keine Wahl als Tänzer.

Am Ende des Stücks stehende Ovationen. Albion, Arcadia, Old Blimey. London, England, wegweisend wie immer.

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