Nach dem Spiel ist vor dem Spiel [Berlinjuni]

by ikreidler

Public viewing unter heiterem Himmel: die Pest. Wie will oder kann man sich da auf das Spiel konzentrieren.

Ohne mich. Erst recht, wenn wir direkt anschließend auf der Bühne stehen sollen, und erst rechtrecht, wenn unser Set zu 70 Prozent aus neuen Stücken besteht, von denen wir wiederum 80 Prozent in den letzten 3 Tagen entwickelt hatten. Das hat wenig mit Lampenfieber zu tun, von dem ich bis auf vielleicht einmal alle 2 Jahre bisher ziemlich verschont worden bin, sondern mit so etwas wie sich sammeln, konzentrieren, elastisch werden und bekräftigen. Ich überfliege die Gäste im Garten, wenn sie bleiben, wären schon mal 50 Leute da. Nicht unbedingt unser Publikum, aber, man weiss ja nicht, wer überhaupt kommen wird, bei nicht wirklich erfolgter Pressearbeit für unser heutiges Konzert bei den in Berlin üblichen krummzahligen Parallelveranstaltungen.

Schliesslich wurden rund 30 Leute ausgewechselt, und binnen Minuten fluteten über 200 Mann beiderlei Geschlechts den Festsaal.

Das Bühnenlicht war statisch, die Discokugel surrte, die Bässe drückten, das Publikum war wunderbar und die neuen Stücke klappten auch wunderbar. Alle um die 7 Minuten lang.

Sebastian von Noblesse Oblige nahm danach die Zuhörer mit einem bezaubernden DJ Set in Empfang. Als er die 9 Minuten To get you real von la!NEU? auflegt, steigen Thomas und mir die Tränen in die Augen. Sebastian erfährt erst jetzt, dass wir Mitglieder in Klaus Dingers Band gewesen waren.

“Gefühlte 4 Minuten”, sprach Max Dax an der Bar über unsere neuen Songs; und mahnte mindestens die doppelte Länge an: “Detlefs japanische Geräusche, die immer den Übergang zum nächsten Stück markieren, wünschte ich mir als rewind selector!” Nicht schlecht. Ich speicherte auch diese Beobachtung in einem Notizzettel, unter der Überschrift Capital Letter. Dass wir dieses Set gerade zum ersten Mal gespielt hatten, ließ Max nicht gelten; nun gut, es war spät geworden, und wir hatten ihn schließlich auch für diesen Abend frisch aus Palermo einfliegen lassen. Dort hatte er zur WM auf der Piazza Garraffello aufgelegt, an dem Ort, von dem aus die Pest Europa in die Knie gezwungen hatte. Genau, auch dort: Public viewing und die Pest.

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