Sebastian (etc.)

by ikreidler

Ich sehe Theater. Brecht. Der gute Mensch von Sezuan. In der Schaubühne. Was mache ich, der ich doch ausser Rainald Goetz kaum etwas im Theater gelten lasse, im Sprechtheater gelten lasse, überhaupt hier? Nun, mein Narrow Bridges Kollege Sebastian Vogel hat gerufen; er sitzt am Schlagzeug auf der Bühne neben zwei weiteren Musikern seiner Hamburger Band Kante. Sie haben in der Regisseurin Friederike Heller eine Person gefunden, die weiss, was Treue bedeutet; nicht nur versucht sie, regelmässig mit den gleichen Schauspielern zu arbeiten, auch die Band oder zumindest Teile von ihr baut sie in jedes Stück ein. Beeindruckend, Kante auf der weiten Bühne zu sehen zwischen dem Theater-Krimskrams, Utensilien, Requisiten; es erinnert etwas an jenes legendäre Einstürzende Neubauten Foto, wo die Band sich zwischen all ihrem gleich Jagdtrophäen aufgebahrten Blechkrempel drapiert hatte. Natürlich softer – so auch die Kostümierung: Peter, Sebastian und Thomas sind settled, elder & statesmen. Irgendwie muss ich an Argentinische Steakfarmer denken; vorallem Peter, mit einem wirklich beeindruckenden Bart, weiss zu gefallen. Eine stattliche Erscheinung wie aus einem Gabriel José García Márquez Roman oder aus einem Traum von Diego Maradona – mit je einer Rolex am linken und am rechten Handgelenk.

Die Inszenierung aber könnte straffer sein; schöne Szenen werden so lange ausgespielt, dass ihre Wirkkraft verblasst. Die drei Musiker sind in das Spiel miteinbezogen. Es ist Brecht, da ist ja immer etwas lustig, da geht was.

Was macht eigentlich die neue Kante Platte? Frage ich. »Ach Du je…«: ein Theaterengagement jagt das nächste. Und sie sehen ja auch gut aus dabei. Vielleicht brauchen sie das Rockband Tournee Elend gar nicht mehr.

Und weil auch unser Thomas jetzt im musikalischen Ensemble eines Theaterstücks mitspielen wird, wurde unser Paris November Konzert gestrichen. Doppelt dramatisch dabei, dass Thomas bloß Instrument sein wird, am Schlagzeug sitzen, nicht mal seine eigene Musik aufführen. Allerdings bin ich mir sicher, dass er dabei das zehnfache verdienen wird, wie mit Kreidler. Honi soit qui mal y pense, denn wie tröstet der-Bert-schon-wieder Brecht: Erst kommt das Fressen, dann die Moral.

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