Jörg (Impressions d’ Afrique)

by ikreidler

Meine Damen und Herren!
Den Gurt anlegen,
Schutzhaube behelmen und
vorbereiten, um Adrenalin zu bekommen.

(Tbilisi.GOV.GE, Extreme Week)

Der Videoclip zu Impressions d’Afrique stammt aus der Feder von Jörg Langkau.

Detlef und ich hatten ihn Oktober 2001 in Mediterranien kennengelernt. Da sass plötzlich ein Deutscher auf der Couch, fanden wir natürlich extrem langweilig. Und trank und kam sich fehl am Platze vor. Er hatte schon in der Stadt am Meer lernen müssen, dass hier das Gebot der Gastfreundschaft hochgehalten wird.  Setz Dich zu uns, trink mit uns, feiere mit uns, und fühle Dich eingeladen unsere Sprache zu lernen. Unsere Sprache zu lernen. Er hatte eine innige Beziehung zu einem mediterranischen Mädchen, die ihm immer mehr zur Qual wurde. Er stand unter Spannung, er konnte die ihm fremde Sprache nicht so nehmen wie wir, zwischendurch ein paar Fetzen aufschnappen, und sie ansonsten als munter dahinplätschernde Musik geniessen. Es war der Beginn seiner jahrelangen Trennungsodyssee. Natürlich ist er, wie alle, die von diesem süssen Gift genossen haben, nie losgekommen von Mediterranien.

Später in Berlin gab er eine wilde Party, wo ich auf Teile der Tödlichen Doris traf und zum ersten Mal Originaldrucke von Heinz Emigholz bewundern konnte, in dessen Arbeit ich mich als Teenager durch Françoise Mouly und Art Spiegelmans Magazin Raw verliebt hatte. Jörg war Student in seiner Filmklasse gewesen. Wenn wir in der Hauptstadt waren, übernachteten wir regelmässig bei ihm; er wohnte in Mitte, hatte eine dieser großzügigen, ebenmäßigen Wohnungen – die der Rheinländer immer als Synonym für diese Stadt nimmt –, aus der er irgendwann aufgrund von Renovierungsarbeiten ausgelagert wurde, in eine andere ebenso großzügige und ebenmäßige Wohnung. Und natürlich sassen immer Mediterranier bei ihm am Tisch.

Dann machte Jörg einen Schritt, den kaum einer nachvollziehen konnte.

Vor einigen Jahren zog er in den gemächlichen Kölner Süden. Es war eine Notbremse, Teil eines radikalen Detoxprogrammes, in der Hauptstadt hatte er seinen Körper verschliessen, das Herz musste zur Ruhe kommen, etwas zumindest.

Allmorgendlich fährt er seitdem zu seiner Produktionsfirma am Innenstadtufer.  Man trifft ihn eher am frühen Abend auf den Eröffnungen des Kölnischen Kunstvereins als Nachmitternachts im abgerockten Sixpack. Am Wochenende ruhen seine Augen auf dem Rhein, er sieht die Schiffe den Fluss hinunterziehn und die Flugzeuge sanft in der Ferne landen. Wenn ihm um die Seele ach zu schwer wird, schneidet er in Avid wunderschöne kleine Liebesbriefe. Er vermisst die langen Spaziergänge mit seinem jodelnden Hund, der nun die meiste Zeit in Mediterranien weilt.

Dann blättert er durch seine Käthe Kruse Puppensammlung und drückt auf seiner unendlichen Jukebox E4. Er hat sich eingerichtet, eher Direktor zu sein denn Regisseur. Die Realisierung der verwegenen, eigenen Projekte sind fürs Erste ein Stückchen weiter, in die Zukunft verschoben.

Umso schöner nun sein Videoclip zu Impressions d’Afrique.

Das harte schwarz-weiß, die surrende Grafik, die meisterhafte Schnitttechnik, das Benutzen von vorgefundenem Material, die Geschichte zwischen Krieg, Tanz, Euphorie und Lippenstift, schliesslich die umherschwirrenden Sprechblasen und rückwärtsfahrenden Autos – das ist natürlich die feinste Emigholz-Schule.

In den besten Händen aufgehoben im Rheinland.

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