Risto (Fashionista)

by ikreidler

Risto Bimbiloskis Frühling/Sommer 2011 Prä-Kollektion Show bildete den Abschluss der Berliner Fashion Week.

Die Beschallung wechselt im Minutentakt, übergangslos, hart geschnitten, zeitgemässe Discokracher. Die Models können erstaunlicherweise nicht in High Heels gehen, sie federn, staksen und stampfen, mehr Kamel denn Giraffe. Daddy Long Legs, aber nicht so brutal mager. Sie führen mediterran legere Entwürfe aus fliessenden, leichten Stoffen vor, kombiniert mit knappen, schicken Strickteilen, abstrahierte Blumenmuster, sehr coole Hosen, eng geschnitten, Radlershorts oder dreiviertel lang; Materialmix, Kunststoffkragen als Schals, Lederteile, Seide, gehäkelte Wolle. Und alles unwahrscheinlich elegant. Auf den ersten Blick nicht ganz so verwegen wie seine letzten beiden Kollektionen, aber allemal verwegen genug, um seine Couture-Kollegen ins Schwitzen zu bringen; gegenwärtig ist – ausser der Antwerpener Schule und vielleicht Rick Owens – niemand mit ihm eben auf. Umso größer das Bedauern, dass Risto als Risto nicht für Männer schneidert. Aber wer weiss… die letzten vier Jahre leitete er die Herrenstrickabteilung bei Louis Vuitton.

Risto stammt aus einem mazedonischen Dorf – aus F.Y.R.O.M., nicht aus dem griechischen Gebiet. Dort lässt er seine Kleidungsstücke produzieren. In Handarbeit; seine Mutter ist im Betrieb; während sein Bruder von New York aus das Label managt.

Kennengelernt hatten wir uns 2001 bei einem Kreidler Konzert in Paris. Er und sein damaliger Freund Martin sprachen uns nach dem Auftritt an; wir hatten auf dem Vergnügungsdampfer Batofar gespielt; im zweiten Anlauf, nachdem unser erstes Engagement wegen des Seine Hochwassers um Monate verschoben worden war. An diesem Abend nun hatten wir Schwierigkeiten, wieder wegzukommen: der Kreidler Bandbus sprang nicht an. Risto und Martin wurden direkt eingebunden, uns anzuschieben.

Bald danach kamen die beiden nach Düsseldorf. Wir besuchten unser Studio, das hobbypopMUSEUM und sahen eine Matthew Barney Cremaster-Folge, die Katharina Fritsch im Malkasten zeigte. In der Nacht fuhr kein regulärer Zug mehr in unsere Heimstatt Köln, wir nahmen eine S-Bahn über Neuss, T hatte Käse eingekauft, Risto und Martin hatten Baguette und Wein dabei; wir brachen Brot, drückten den Korken in die Flasche und hatten eine wunderbare Überfahrt.

Während der Popkomm sah ich Martin das nächste Mal; wir sassen bei Helga, nahmen Drogen und schauten Star Wars; ich sollte C-3P0 sein; dann bist Du ein Jawa, sagte ich zu Helga. Risto und er gingen da schon getrennte Wege. Zum Ende des Jahres kam Martin mit Pariser Partyvolk zu der weiter oben erwähnten wüsten Köln-Sylvesterparty, und in 2002 war ich wiederum in Paris und besuchte mit ihm Lacoste, die Kreidler für eine Modenschau buchen wollten, dann aber nicht bezahlen (vielmehr die vereinbarte Summe in Francs statt in Euro). Martin arbeitete für Bless und etwas später für Lanvin. Risto baute damals sein eigenes Label auf. Ich verfolgte seine Kollektionen auf den einschlägigen Portalen, hatte allerdings erst Jahre später über, tja, Facebook wieder persönlichen Kontakt zu ihm.

Letzten Herbst nach unserem  Périphérique-Konzert sassen wir in unserem abgewürgten Mietwagen und warteten. Und warteten. Und warteten. Vergebens. Niemand schob uns an. Risto hatte kurzfristig seinen Besuch abgesagt, unser Auftritt lag ein paar Tage vor seinem Geburtstag, und er war einer Einladung nach Hong Kong gefolgt.

Advertisements