Caroline (says)

by ikreidler

Caroline singt mich aus sieben Lautsprechern an. Sie sind im Rund aufgestellt in liebevollst bestückten Regalkonstruktionen. Liebevollst von Caroline bestückt: Blumen lachen mich an, Pflanzen winken mir zu. Seven Speakers heisst der Raum heute und für die nächsten Wochen. Seven Speakers bedeutet auch 7.1 Surroundklang – wer über den Standart einer achtkanaligen Soundkarte verfügt, braucht nur noch sieben aktive Monitore und vielleicht einen Subwoofer; und schon würden auch zuhause Caroline und die Rhythmen präzise von Box zu Box hüpfen und einem den Kopf verdrehen. Zwölf Minuten lang.

Es ist eine wahre Freude, ihr dabei zuzusehen. Ja, sehen, denn die Töne werden Alphabet, werden plastisch. Doch nach einer Viertelstunde ist Schluß mit lustig. Auf Alex und Carolines Narrow Bridges folgt Kremlin rules. Kreidlers schwarze Seele. Und wie sich der Raum in der folgenden Viertelstunde verändert. Die Blumen schauen böse, die Äste werden Schlingwerk. Es riecht nach Moder und Moos. Die silberne Taschenuhr fällt auf den Boden. Weiss ist die Farbe des Sumpfes. Kremlin rules ist eine schwer wabernde Wolke. Verschmiertes Ölzeug, Geruch von Petroleum, zur Hölle mit dem Schwefel, die Mechanik ist gebrochen. Der Mellotronchor schwingt sich wieder und wieder auf, die Stäbe des Melanchton ragen aus ihm empor. Die silberne Taschenuhr fällt auf den Boden und zerbirst. Der Bass verheißt keine Erlösung. Endlich setzen Tamburine ein, die Toms rasen durch die Lautsprecher, und end-endlich: der Oktavbass. Aber, was heisst schon Erlösung.

Nach ein paar Sekunden Pause setzt Carolines Stimme wieder ein. Ein endlos geflochtenes Band.

Advertisements