Päff (we loved you)

by ikreidler

»Und es stimmt mich melanchonisch,

Hör ich dann die Leute sagen,

Sieh mal dort, da kommen Volker und das Kind.«

(Volker Lechtenbrink, Volker und das Kind)

Das Päff war eine Kölner Kneipe auf dem Friesenwall, in der zu seiner Zeit, so besagt die Legende, Rolf-Dieter Brinkmann ein und aus gegangen sei. Das Päff war in den 1960ern der juvenile Bruder des um die Ecke auf der Friesenstraße gelegenen Brauhaus Päffgen, des heute letzten gastronomischen Betriebs, so besagt eine andere Legende, in der der Kölner Bierober, Köbes genannt, sein Handwerk noch traditionell ausführt, nämlich freiberuflich als Zwischenhändler, der das Bier an der Theke einkauft und am Tisch weiter verkauft. Päffgen, so eine weitere Legende, das ist nicht nur der Name einer alten kölschen Brauereifamilie sondern auf ihn hörte auch die etherische Kölnstämmige Christa, bevor sie Delon, Warhol, die Welt entdeckte, und sich fortan Nico nannte.

Das Päff wurde Anfang der 1990er wieder ein Ort der Aufregung: reaktiviert für die Unfair, die Gegenmesse zur Deutzer Tante Käthe, der in die Geriatrie geklüngelten Art Cologne – die sich, wie die Dinge eben laufen oder vielleicht auch angelegt waren, die Unfair wenig später als Frischzellenkur einverleiben sollte. Das Päff aber war zurück auf der Stadtkarte und strahlte in den folgenden Jahren weit über die Stadtgrenzen ja bis ins ferne London mit seinem Musikprogramm gespeist aus der illustren Lokalprominenz. Bis der Gerling-Konzern die Flur bereinigen wollte, oder dann doch nicht, jedenfalls zog man eigentlich mit der ehemaligen Wirtin in das Elektra, der ehemalige Wirt jedoch blieb dann aber doch: die seltsamen Wege der Liebe und/oder Nichtliebe und der Marktwirtschaft vor 11 Jahren.

Vor 11 Jahren also startete der alte und neue Wirt einen erneuten Versuch, das Päff als place-to-go und den Keller des Lokals als Partyort zu reaktivieren. Und buchte mich als Dj. Vergaß darüber aber jegliche Reklame. Ich spielte ziemlich alleine, allerdings nicht ganz, nicht gänzlich alleine. Im Gegenteil oder ganz im Gegenteil zumindest im Hinblick auf die nächsten elf Jahre. Der Bahnverkehr zwischen Köln und Düsseldorf kam in jener Nacht vom 16. auf den 17. Juni zum dritten Mal in kurzer Folge völlig zum Erliegen. Was uns heute Normalität ist, war damals noch Ereignis. Ein Zeichen, das in seiner Eindeutigkeit das weitere Vorgehen diktierte. Eine Dekade und zwölf Monate später scheint das Geschichte. Das ist sehr traurig, aber – Emoticon, mit Mundwinkel nach unten – schliesslich und immerhin, Geschichte.

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