Gilles (Alsace)

by ikreidler

Toog alias Gilles Weinzaepflen ist ein unverschämt gut aussehender Franzosenjunge, der eine Musik im Triangel von Chanson, Lowfi– Electronica und Artforum produziert.

Im basso zeigte Toog zeigte seine Dokumentation über den Ondiolinisten Jean-Jacques Perrey. Ein Musiker-über-einen-Musiker-Film, ein äusserst anständiger, professionell gemachter Film. Die besten Momente waren, wenn Gilles die off-Stimme zu Bildern schnitt, die Dinge verrieten, die der Text ausließ.

Wir befinden uns noch inmitten dieser wundervollen Phase an extrem überlauen Sommerabenden, die auch nach Mitternacht nicht abkühlen wollen; zum Nachteil geriet dies uns, da der überwiegende Teil der interessierten Öffentlichkeit sonnentraumatisiert zuhause unterm Kühltisch lag, und so Gilles sein geplantes Programm drastisch abkürzte: er zeigte den angekündigten experimentellen zweiten Film nicht, spielte sein neues Album vom Plattenteller aber nicht live und trug auch keine Gedichte vor, die Nick Currie simultan aus dem französischen ins englische übersetzen sollte. Immerhin hatten Nick und ich so reichlich Zeit, uns nach all den Jahren mal wieder auszutauschen.

Nick Currie, genau der, alias Momus. 1999 während seiner Sterne für immer Tour bestritt Toog das Vorprogramm. Damals wohnte ich in Köln auf der Dasselstraße [Einschub: in der Wohnung von Jaki Liebezeit, so meinte zumindest Stefan Krachten – Schlagzeuger der Unknown Cases und von Trancegroove, für die wir, Kreidler, einen Remix produziert hatten, worüber ich ihn kennengelernt hatte, und der später mein Nachbar in der Südstadt werden sollte, schräg gegenüber von Neon Leon übrigens –, unter mir jedenfalls wohnte Jochen vom Normal Laden und auf der anderen Straßenseite hatte Elisabeth vom Label Finlayson (Kreidler »Sport«) ihr Appartement. So ist Köln (so war Köln: Elisabeth lebt seit über zehn Jahren in Hamburg, Neon Leon wieder in San Francisco und ich in der Fremde von Charlottenburg) Einschub Ende].

Jedenfalls kamen Toog, Momus und seine damalige japanische Freundin Shizu zu Besuch, es war ein day off, vielmehr (das fällt mir gerade erst beim Niederschreiben wieder ein… und jetzt denke ich, eigentlich hätte mir das 2001 für die Kreidler Momus Mnemorex–Tour Warnung sein sollen…) Nick machte den Tag zu einem day off und ließ das Konzert in Darmstadt einfach ausfallen; ich übersetzte ihm noch: »Darmstadt is City of Intestinal« – Schauder! – natürlich war Cologne cooler, es war ja noch vor der Jahrtausendwende; wir zogen also durch die Stadt, assen WDR–Sushi, Toog fand bei Humana – Nicks favorite shopping spot – eine unverschämt gute Lederjacke, in die wir uns alle neidvoll drapierten (für ein Foto); abends gingen wir zu Johnen & Schöttle, wo Thorsten Slama und Thomas Ruff eröffneten. T. posierte vor Thomas T., wir klebten uns Shizus Schnäuzer an (den sie gelegentlich trug, um japanese-girls molester zu vertreiben) und beendeten diesen wunderbaren Tag irgendwie irgendwo. Ehrensache, dass wir auch am  übernächsten Tag zum Konzert nach Bochum fuhren. Es war relativ leer, und Andre vom hobbypopMUSEUM und ich tanzten Stehblues zu Momus I was born to be adored by women. Das war 1999. Später begann Thorsten [Einschub: mein Nachbar in Köln… aber lassen wir das (..)] damit, auf Karaoke Kalk Toog zu veröffentlichen.

Und Detlef? Was hat das jetzt alles mit Detlef zu tun? Nun, Detlefs Tolouse Low Track Album vom Mai diesen Jahres ist nunmal auch auf Karaoke Kalk erschienen. Und Thorsten hatte es Gilles nach Paris geschickt. Und Gilles hatte sich daraufhin bei Detlef gemeldet, weil er in seinem Blog über die Platte schreiben wollte. Und da Gilles ursprünglich aus dem Elsaß kommt, seine Jugend aber in Basel (wie Zürich eine unverschämt coole Stadt in den 1980ern) verbracht hatte, stellten sie plötzlich gemeinsame Freunde fest. Ehrensache sowieso, aber ein Grund mehr, dass Detlef Toog nach Düsseldorf in den Salon des Amateurs buchte. Wo er dann – im Unterschied zu Berlin – auch tatsächlich gespielt hatte.

Advertisements