Tag 3

by ikreidler

»Ja!«
(De Randfichten – Lebt Denn Der Alte Holzmichel Noch)

Tag Drei, delayed in Ottensen. Hat einer den Verlaufmichel gesehen? – Ist unterwegs. Ins Büro zu Dirk Lange. Und durchkreuzt gerade die einfachste Wegbeschreibung. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass mich eine junge Frau, die in großzügiger Diagonale die Straße auf dem Fahrrad querte, ablenkte und dann in die falsche Richtung lockte – ich trottete im Gedanken geradeaus weiter. Weil: weil sie diese Mischung aus Landhauslook und Preppyness spazieren trug, die Hamburg mit Countryside UK verbindet. Und ich mich fragte, woher diese Verbindung wohl komme, Twiete und Tweed, Swoorte und Silverbeatles. Diese Art von Stilbewusstsein, diese würdevolle Nonchalance, diese gewisse aristokratische Eleganz. Wie sie auch der einzige Staatsmann von Format hatte, der der jungen Republik bisher vorstand, der zigarettenverliebte Helmut Schmidt. Oder die nordische Seele Engholm, die es pfeifenrauchend versuchte. Natürlich kann man mit keinem von ihnen wirklich Freund sein. Aber wer möchte auch schon selbst ein Wirtschaftsunternehmen leiten und dann solche utilitaristischen  Entscheidungen treffen müssen wie, lass ich jetzt den Altnazi über die Klinge springen, dafür aber die Linke in Stammheim erschießen und, um es wie Selbstmord aussehen zu lassen, den Geheimdienst für solch eine Aktion als viel zu dämlich darzustellen, in dem er in Celle stümperhaft ein Loch in ein Gefängnis sprengt. Engholm. Ich erwachte an der Fischers Allee, riss mich herum und musste nun weitere 20 Minuten zum Büro gehen, dann liefen Dirk und ich weitere 20 Minuten für einen Café und weitere 20 Minuten später weckte mich Alex, ob ich schon im Studio sei. Unterwegs! Tag drei, das letzte Stück von gestern Abend aufnehmen, ein weiteres und dann Stück Nummer Fünf beginnen.

Im Marinehof Mittagstisch, und zur Nacht durch den Regen ins Schanzenviertel, Falafel essen.

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