Abgang Alt Berlin

by ikreidler

Wie es sich Dekaden zuvor gefügt hatte, fielen die Geburtstage von Käthe Kruse und Jörg Langkau im Kalenderbild blickdicht nebeneinander. So dass es Ihnen zur schönen Tradition geworden war, das Fest in gegenseitigem Einvernehmen zu begehen. Auch in diesem Jahr, in diesem Monat, an diesem Tag. Man fand sich ein auf der Strasse des Manteuffels, in einer besungenen Lokalität namens Volksküche. Ein mythenumspielter Ort, wo einst im Keller auch Wolfgang Müller seinen Galeriebetrieb vollzogen habe. Und wen es an diesem Abend nicht alles zu bestaunen gab. Halb Alt Berlin hatte sich um das üppige Buffet versammelt.

In der Musikecke zeigte mir Jörg den schweren schwarzen Summenmischer: »das eigentliche Mischpult ist kaputt gegangen, Mark Ernestus hat die Party gerettet, das Pult ist von ihm.« Der Mark Ernestus? Ja, auch er habe mal hier gewohnt: »Warte, ich stell Euch Euch vor.«
Nein, lass mal. Ich weiss doch gar nicht, was ich mit ihm sprechen soll… Dass ich Basic Channel toll finde, oder was… Ne, ne lass mal lieber.
Denn ich sah schon aus der Ferne, M. E. ist dieses Modell Mensch, mit welchem das Modell Mensch, das ich abbilde, selbst mit epochaler Anlaufzeit nicht in die Nähe von so etwas wie gepflegter Konversation kommen kann. Das habe ich die Jahre über gelernt. Und er, denke ich, auch. Es mag auch am Chinesischen Tierzeichen liegen.
»Mark darf ich Dir Andreas von Kreidler vorstellen?«
Hallo. Mit tonloser Stimme.
Hallo. Mit tonloser Stimme, eine halbe Oktave tiefer.
– – –
Basic Channel finde ich toll. Mit noch tonloserer Stimme, subsonisch.
– – –
Ich fülle mein leeres Glas mit Prosecco und schlendere rüber zu Jörg in die Musikecke, »und?« fragt er, »nö«, und lachen uns kaputt.

Abgang. Vorhang.

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