Listening Wind (pt. 2)

by ikreidler

»Abstraktion!«
(Thomas Scheibitz)

Martin Eder als Richard Ruin. Seine Malerei möchte ich als zweifelwürdig bezeichnen, nackte Mädels und wuschelige Katzen. Naja. Ausruhen zwischen Mel Ramos und Stoiber, wie er seine Frau Muschi ruft. Oder wie? Über jeden Zweifel erhaben aber Richard Ruin. Gnadenloses Gedrone, was sich natürlich nirgendwo besser anhört als im Berghain. That’s where we are. Eröffnen aber wird Attila Csihar, auch mal Sänger der Norweger Mayhem, die einst, welche Realität, Papa?, ziemlich durcheinander kamen und in Teilen sich gegenseitig wie auch selbst entleibten. Zuviel PlayStation vermutlich. Und dann dieser Antichristen Satanisten Quatsch, als würde man Satan denken können ohne an Gott zu glauben. Attila also, Void of Voices, auch Sunn O))), versteckte sein Gesicht unter der Mönchskutte und strapazierte mit einer effektgarnierten mittels eines Mehrspurgeräts multiplizierten Litanei etwas zu lange das Publikum. Hatte das mit Kathedrale Berghain wohl ein bisschen falsch verstanden. Und gruseln mochte sich auch keiner. Stattdessen erging sich der Zuschauer in anschwellender Partykonversation.

RUIN & Solistenensemble Kaleidoskop aber sollten es richten. Rechts auf der Bühne nahm Jochen Arbeit hin und wieder elegant Platz und behandelte Beameffektgeräte. Die Streicher strichen angewandt schräg, zwölf- oder freitonal, was die Band das mit schwarzklebrigen Clustern aufnahm. Die gesamte auf der Bühne versammelte Musikerschaft streichelte ihr Instrumentarium mehr, als dass sie es anschlug – von Cello über Gitarre und Keyboard zu Schlagzeug – so lange bis schwingenden Töne resonierten, die den Raum mit einem immensen Dröhnen füllten. Dazu schwang Richard seine weisse Haarpracht.

In dem Moment, in dem man verstanden hatte, brachen sie ab. Dann peitschten sie ihre Instrumente, und für ein allerletztes Stück schritt Attila den Stieg hinab und grunzte sich kostümiert als glitzernd schillerndes Stachelwesen die Seele aus dem Leib. »Die haben Vertrauen«, hätte Detlef gesagt. »Abstraktion!« schrie mir Thomas Scheibitz von rechts ins Ohr.

Advertisements