Dazzledorfoctober

by ikreidler

The hidden agenda. Der Mexikovorabend in der Stadthalle, vergessene Architektur Düsseldorfs, als eine mondäne Landeshauptstadt den Spät-70er Modernismus träumte. Beim Betreten des Ensembles läuft in irgendeiner Ecke eine mäßige Version von Good Times. Best of Chic Live oder so. Wir passieren Raum um Raum, bis wir Nummer 3 erreichen, eine überraschende und überraschend gelungene Inszenierung. Zeltplanen und Discokugeln. Ein Stroboskopgewitter als Eingang, Monitore, die Dokumente aus dem Cream Cheese zeigen. Wir laden unsere Geräte auf die Bühne, Ordnungskräfte verteilen derweil weisses Plastikgeschirr im Raum – Barhocker und Salontische. Und orientieren auf diesen das Programmheft zum heutigen Abend. Momentmal, selbiges spricht nicht nur von Kreidler und allerlei Unbill, den ich nicht erwähnen möchte, sondern auch von Victor Lazlo und… Sister Sledge! Mit Band. Wir entschuldigen uns augenblicklich bei uns und revidieren unsere Meinung apropos mäßiger Good Times Version. Sister Sledge mit Band waren beim Soundcheck, Sister Sledge mit Band spielten Good Times! Ich musste augenblicklich Justus anrufen.

Nach unserem ersten Set, das wir wegen wiederholtem Logic Pro Absturz nicht mit Mosaik beenden konnten, sondern mit einer mäßigen Version von Jaguar, nach unserem ersten Set, in welchem Brass Cannon, Mars und das gerade eben improvisierte Tea-Party die Leute zum Tanzen brachte, vor allem eine in Sachen Kunststoff arbeitende Gruppe aus Indien, welche dann die Bühne stürmte, um sich mit Alex digital ablichten zu lassen, nach diesem Set also, schaute ich mir Victor Lazlo an, die nach zwei mäßigen leicht melancholischen Balladen Mexiko anrief, ausgerechnet, und dann mäßige Partystimmung verbreitete, auf dem Niveau von LTU now BerlinAir, sich also als relativ unerträglich und seicht erwies, mit einer Band-spielt-die Töne-vom-Notenblatt-ab-Band, wo ich mich dann auch nicht mehr an den Namen ihres Hits von damals zu erinnern vermochte, der ja, so weit erinnerte ich mich allerdings schon, auch relativ seicht war und weder Pop goes my love noch Dance with me tonight hiess, noch war, ich also schnell wieder diesen Ort verliess. Und dann zurückkam zu Sister Sledge, wo natürlich alles gut war, die Band souverän, die drei Damen grandios, glamourös und gleichzeitig süss, das Publikum blöde, vielleicht nett aber langweilig, und dieses mal musste ich den Ort vorzeitig verlassen, weil wir unser zweites Set spielen sollten. We’re all american girls im Ohr nahm mich und Detlef Chris mit zum Salon des Amateurs, wo sein Porsche den Geist aufgab, und wir Der Räuber und der Prinz schauten, feinste Düsseldorfer Cowboy Gotik, und Sebastian an seiner Gitarre, denke ich, den hätte ich gerne Klaus Dinger gezeigt. Leider zu spät, viel zu spät. Ein letzter Wodka mit Sebastian, ein Taxi, ich packe meinen Koffer, dusche bei Detlef, warte die paar Minuten bis zur Zeitumstellung, richte den Wecker auf viertel nach sechs, dann brechen wir auf, Delta Richtung Atlanta. We’re all american girls.

Advertisements