Mexican radio

by ikreidler

»Radio, radio, oleo, radio«

(Stan Ridgeway/Wall of Voodoo, Mexican radio)

Julia führt uns in ein traditionell mexikanisches Restaurant. Zumindest eines, das so tut als ob. Umwerfend schick – also Jugendstil, mexikanischen Barock und indigenen Surrealismus im Sinne. Eine Empfehlung eines Freundes, sagt sie; selbst wäre sie auch noch nicht hier gewesen; und Sonntagabend, um diese Uhrzeit wäre es schwierig, noch essen gehen zu können. Wir müssen uns in die Warteschlange einreihen, bis uns ein Tisch in der ersten Etage des zweigeschössigen Gebäudes zugewiesen wird. Mariachi spielen unten, die Tische um uns herum sind leer. Wahrscheinlich ist es klüger den Gast vor der Tür warten zu lassen, als dann am Tisch zu lange auf Service und Essen. Die Kellnerinnen bedienen in Nonnenkostümen. Wir erfahren nicht, ob das jetzt Garderobe anlässlich der Día de Muertos ist. Ein Buñuelscher Moment jedenfalls allemal. Und die Inneneirichtung geht damit sowieso konform.

Die Mariachi reihen sich um uns. Wir bestellen Cerveza, zweimal von jeder Sorte eins. Also 10 Flaschen, erstmal. Alles außer Corona und Sol,  Gott, be aware. Wir rauchen schließlich auch kein Marlboro und meiden Cola und McDonalds wie Gaffel Kölsch und Diebels Alt. Corporate sucks.

Außer, wenn’s schmeckt. Unsere Gerichte matschen leider etwas vor sich hin. Alex Hühnchen mit Mole schwimmt in einem See aus zartbitterem Nutella. Aber Aromen und Schärfe stimmen versöhnlich.  Hmm… dennoch eher ein Restaurant, das so tut als ob. Das wird in den nächsten Tagen besser werden. Müde stolpern wir die Treppe runter, fallen ins Taxi – nach drei Ländern, zweimaligem Uhrzeit anpassen, 19 Stunden in Flughäfen und Flugzeugen, nach 25 Stunden wach – und im Hotel ins Bett.

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