Pyramyths

by ikreidler

»Wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligthum.

Deine Zauber binden wieder,
was der Mode Schwerd getheilt;

Bettler werden Fürstenbrüder,
wo dein sanfter Flügel weilt.«

(Friedrich Schiller, An die Freude.)

Julia gibt uns eine Wegbeschreibung: Linienbus ab Gare du Nord, Kopfbedeckung nicht vergessen. Alex setzt sein Original Brian Johnson Käppi auf, ich werfe mich in meine schwarze Carharrt Kapuzenjacke.

Die Ruinenlandschaft von Teotihuacán ist unbeschreiblich. Am besten man setzt sich auf die Treppenstufen und lässt den Ort wirken. Es sind wohl viele Besucher da, aber die verlaufen sich auf dem riesigen Areal. Wie die Menge an Kunsthandwerksverkäufern.

Eine Gruppe fröhlicher Archäologen radelt von ihrer Mittagspause kommend vorbei. Man kann die Treppenstufen auch nach oben steigen, dann auf der Kuppe der Sonnenpyramide, auf halber Höhe der Mondpyramide oder an der Straße der Toten auf der kleinen Pyramide beim Tempel des Quetzalcoatl schwindelnd im Haltlosen nach Halt suchen, atemlos nach der dünnen Luft schnappen, die wir Nullmeter über dem Meeresspiegel Bewohner wirklich nicht gewohnt sind. 

Der Wind weht lau, der Himmel scheint blau, die Sonne strahlt. Ein Teppichhändler hält seine Ware mit ausgebreiteten Armen wie ein Flugtier. Ein Flötenverkäufer spielt den vierten Satz aus Beethovens neunter Symphonie. Die Ebene verwandelt sich von Jodorowsky zu Buñuel zu Pasolini. Tatsächlich ein magischer Ort.

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