Music for Soundtracks

by ikreidler

»Geh nur im Endlichen nach allen Seiten.«

(Freiherr Johann Wolfgang von Goethe)

Auf der Chaiselongue liege ich, hoch das Bein gelagert, zu Gast bei Freunden, das Klingeln ruft mich zur Gegensprechanlage, Alex, wie angekündigt,  den Türöffner betätige ich locker aus der Hüfte, der Krücke sei dank, die zweite hält mich stabil.

Wir arbeiten weiter am Soundtrack für einen Dokumentarfilm, genauer, wir arbeiten an einem Vorschlag für eine Filmmusik. Ein sogenannter Pitch. Thomas hatte sich deswegen eigentlich schon verabschiedet. Man weiss ja, wie das geht. Am Ende steht man ungeduscht, geduzt und ausgebuht da. Muss nicht sein, antworte ich. Aber Thomas ist Mitbewerbern in die Hände gelaufen und etwas frustriert. Er lässt sein düsteres Essay erstmal so stehen, Alex und ich dagegen präzisieren unseren Entwurf. Wir starteten parallel, das Rheinland und das Berliner Becken, mit der Idee, unsere Entwürfe dann zu tauschen, zu kreuzen oder den Favoriten zu finalisieren.

Detlef kommentiert, zu fröhlich seien wir, schwere Zeiten damals, womit er sich auf die dokumentierten Ereignisse bezieht. Wir sind aber auch Moll, Fismoll, um genau zu sein, Todesblei ist es vielleicht nicht, aber Playing With Knives oder Don’t You Want Me (Felix wie Human League) auch nicht. Und überhaupt, düstere Zeiten sind es auch heute, sage ich, das damals war schlicht überbordender Patriotismus ergänzt Alex.

Thomas wittert Morgenluft. Wir bitten ihn, seine neue Version nach Fismoll zu transponieren und das Songtempo an unseres anzugleichen. Logic- und Audiofiles durchschießen Menschen, Häuser, Hänge, die Dropbox glüht, und am Ende des Tages haben wir unsere beiden Ansätze zu einem wunderbaren einzigen Stück verstrickt.

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