Berlinmai

by ikreidler

»I don’t like the time,
When the summer is gomma«
(Max Werner, Rain in May)

Heimspiel. Sollte man meinen. Und wie. Nicht nur die Berlinerhälfte. Detlef freut sich schon seit München auf Døner mit Zimt von der Skalitzerstraße. Thomas auf die Tasse Kaffee auf der Oranienstraße. Und die Berlinerhälfte? Pfannkuchen, wie man hier in der Stadt sagt. Zeigt Nerven. Nürnberg gestern war zu gut.

Die Mobiltelefone klingeln reihum. Ach, die Gästeliste ist schon zu? Keine Angst, es gibt noch Karten zu dreihundert Euro. Der reguläre Preis. Ankunft im Festsaal Kreuzberg. Der Ort, an dem ein Großteil Tank entstanden war. Vor nicht mal elf Monaten. Oder doch schon? Ich weiss nicht. Jedenfalls irritiert es mich, im Tip zu lesen »record release«. Und Kraut-Disco. Pah.

Letztes Jahr im Festsaal hatten wir Weiteres aufgenommen, Anordnungen, Bruchstücke, Verwürfe, die wir dann doch nochmals genauer untersuchen wollten, an denen wir weiter drehten. Gedacht als unser Anteil an einer freudigen, erneuten Kollaboration mit Andro Wekua.

Robert Meijer hatte uns eingeladen, für einen Release auf einem seiner drei Labels, nicht Bottrop Boy, nicht Semishigure, sondern en/of. Das Label der limitierten Vinyl Edition. Gestern in Nürnberg allerdings hatten wir das Weiterdrehen noch ein Stück weiter gedreht, und beschlossen, Mars zu Ende zu denken. Vielstimmig zu Ende zu denken. Ausgerechnet in Nürnberg, wozu 2009 an dieser Stelle im Eintrag Nurembergdecember zu lesen war: »Seit Köln spielt Alex übrigens im Stück Mars Gitarre«. Weiter waren wir nicht gekommen.

Ein kurzes, prägnantes Unwetter schwappt in den Festsaal, treibt Gäste nach hause, dann aber schält sich Robert Meijer aus dem Dampf, ich teile ihm unsere Entscheidung mit. Dann aber schält sich Andro Wekua aus dem Dampf, ich teile ihm den Titel unseres Stückes mit, ansonsten vereinbaren wir gegenseitiges Überraschen.

Das Saallicht wird gedimmt. Los Massieras eröffnen für uns. Das Saallicht wird gedimmt. Showtime. Danach. Wir seien sehr toll gewesen, lobte das Publikum. Wir fühlten uns müde. Doch zogen weiter in die Soju Bar, wo 1/3 Massieras und 1/4 Kreidler Schallplatten und Cds spielten. Bis Erschöpfung in unsere Knochen kroch und nach viel zu kurzem Schlaf uns weiter nach Hamburg begleitete.

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