Luxemburgoktober

by ikreidler

Niederlage. Ich wache auf. 5 Uhr MEZ, Tokyotime 14 Uhr. Aber es ist nicht der Jetlag, der einkickt, nach 14 Stunden Rückflug im Obensitzer-Airbus, Tokyo-Paris-Berlin, wie der Name einer schlechten Karaokebar in Mitte, das Vegetarische Menu mit Pilzen durchwachsen. 5 Uhr nachts, Berlin, ich schnelle in die Restrooms. Something’s wrong. Foodpoisoning. Danke. Air France.
So der Morgen.

Ich schleppe mich um 9 MEZ zum Lehrter Bahnhof, kann es mir im Zug ja nochmals überlegen, so lautet mein Plan, immer wieder Profi sein; schlechte Idee, denke ich, zwanzig Minuten später, auf der ICE Toilette, sofort aussteigen, umkehren, will ich, schon ertönt der Pfiff, schon sind wir aus Spandau raus. Ich schleiche zurück ins Abteil, falle tief in meinem Sitz, Blick raus aus dem ruckelnden Fensterplatz. Ab Wolfsburg dann setzt leichtes Entlasten ein. Der Körper ist leer, weiter oben meldet sich Kopfschmerz leise an. Schwarztee und Trocken Brot; verordne es mir für die nächsten Tage. Hi-carb Blitzdiät.

Niederlage. Düsseldorf, MacBook Pro Grafikkarte geschrettert. Infamous NVIDIA one. Der Luxemburg Midifile temporär nicht auffindbar. Der andere Rechner kühlt im Keller. Hätten die Schlumpfhausener sich mal gemeldet, hätte ich eine Kopie aus den Berliner Katakomben geholt. Unsere schön ausgedachte Zugabe. Und die Autogrammkarten nicht ausgedruckt. Hätten die Schlumpfhausener, aber lassen wir das. Beantwortung der Fanpost muss warten. Wir wechseln das Fahrzeug.

Ich friere. Auf der Rückbank. In meiner neuen Hysteric Glamour Lederjacke mit dünnstem Sommerlaibchen darunter. Es waren doch gerade noch 25 Grad Celsius, oder. Der Magen sticht, der Kopf bellt. Schluss mit dem Gejammer. Vollgas.

Wo mag nur der TomTom sein? Hm. Luxemburg. Kennt man ja. Um die Ecke. Steuerflucht. Fernfahrerparadies. Wegbeschreibung ist für Feiglinge. Ich blättere durch Thomas Foto-App: Bildschirmfotos von Google Maps. Hm, why Not.

Klingt ja ganz gut. Der Club vor den Toren von Luxemburg City in Niederkorn. Niederkorn, ich erinnere etwas. »Ober, Korn!« schreibt Clara Drechsler, in der Spex, 1983, ein Interview mit Depeche Mode. Oberkorn, eine Single B-Seite derselben. Kreidler – Niederkorn im Depeche Mode Remix. Ich ärgere mich laut mit Thomas über Google Maps Relevanzhierarchien. Ein Konzertraum jedenfalls ist nicht zu finden. Vielleicht gibt es eine Strasse dieses Namens ja auch öfter als nur einmal in Luxemburg. Also, Luxemburg, Stadt Land Fluss. Heißt ja alles gleich hier. Zurück. Vollgas. Durch die Rush Hour. Detlef hat’s ja gleich gesagt. Der Nichtstadtplanlesenkönner, der führerscheinlose Nichtautofahrer. Stunden und hilflose Passanten später, mitten in der Stadt, ein wunderschöner Club. Backstage, ein reich gedeckter Tisch, ich greife zu Trocken Brot und Schwarztee. Ein super Techniker, eine super Akustik. Das Licht genau gemäß unseres Technical Riders. Nach dem Soundcheck gehen die Jungs ins Restaurant. Ich mache es mir hinter der Bühne in der Nähe einer Heizung gemütlich. Will mit Hilfe eines Mp3 Files von Luxemburg doch noch ein Stück für die Zugabe basteln. Die Jungs sind zurück, zwei Journalisten im Schlepptau. Welche Sprache spricht man hier eigentlich? Französisch? Irgendwie sprechen ja alle deutsch. Und etwas Lustiges, was klingt wie die kölsche Version von Saarländisch oder so. Das Interview ist beeindruckend. Von seltener Intelligenz. Der Vorgruppe kommt herein, wir stürmen auf die Bühne, ein wunderbares Publikum. Für die letzte Zugabe reiche ich Alex die Tonart und Detlef die Bpm Zahl rüber. Thomas marschiert locker mit. Luxemburg. Spiel. Satz. Sieg. Grandios.

Im eisigen Hotelzimmer falle ich wie tot ins Bett. Und freue mich auf das Frühstücksbuffet. Trocken Brot und Schwarztee.

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