Grill Royale [Awst & Walther]

by ikreidler

»She knew the book as an emptiness in the otherwise solid room«
(Mark von Schlegell, Mercury Station)

Als am nächsten Morgen,
Nach der langen Nacht,
Die einen abgereist, die anderen matt,
Als am nächsten Morgen,
Die einen fotografierten,
Die anderen am Strand spazierten,
Als am nächsten Morgen,
Die Frage aufgeworfen
Wurde, wer denn nun den Grill
Reinigen wird,
Da stand ich bereit.

Nun wollte ich auch herausfinden, was denn genau faul ist, an Barbeque, und ein stumpfes mehrstündiges Schrubben mit der Stahlbürste schien mir genau das Richtige, um einen Text im Kopf nieder zu legen. »Soll sein.« (Giorgi Sumbadze)

Es tut wenig zur Sache, dass ich kein Fleisch esse; messianisch bin ich da nicht, und eine besondere Zuneigung zu Kühen oder Schweinen hege ich auch nicht; der Mensch möge sich die Natur untertan machen; aufgehört, Fleisch zu essen, hatte ich im Zusammenhang mit einer vagen Haltung gegen Globalisierung, also gegen das, wie und was globalisiert wird und wer das kontrolliert, hier dann südamerikanische Massentierverwertung für billiges Westfleisch, Verhungern im Rest der Welt, Cash crops, etc. Das war vor Jahrzehnten, tiefer Durchdenken will ich das jetzt nicht; in der Sowjetunion gab es schließlich auch Fleischfarmen. Oder als Hypokrit, dass mir damals mein Kriegsdienstverweigerungsberater riet, dass ich in meiner Kriegsdienstverweigerungsbegründung doch bitte schön ein paar Beispiele meiner pazifistischen Gesinnung geben solle, da ich nicht auf Demonstrationen gehen würde und auch keiner Religionsgemeinschaft angehören würde, DKP-Erstwähler zählte jedenfalls nicht. Am liebsten hätte ich Ata über den Grill gekippt. Natürlich ist es ein Weber-Flagship-Modell. Wo der Grillmeister bei Webers zwölf Assistenten hat, die die ganze verkohlte Scheisse von dieser mistigen Fehlkonstruktion runterkratzen. Ich hämmere mit der Bürste auf den Rost und muss an FM-Einheits kaputte Gelenke denken, vom Metal auf Metal schlagen; da federt nichts. Die Sonne sticht, Yoga ist anders. Aber irgendwie macht es auch Spaß. Ein perverser Spass.

Neben dem Grill steht eine Gasflasche. Ich kratze also tatsächlich nur Leichenreste herunter. Kein Koks. Zählt das Argument, wie hier Ökonomie kaputt gemacht wird? Oder ist das das Jean-Pütz-Hobbythek-Prinzip, also Hobby als Opium für das Volk, nachdem Religion im Bach untergegangen ist (Kirchensteuer, Al Kaida)? Die sozialistische Idee des Grillens jedenfalls sieht so aus: man versammele sich um ein Lagerfeuer, spitzte mit dem Sackmesser Aststücke an, spiesse darauf Wurst-, Fleisch-, von mir aus auch Fisch-, Gemüse-, Soja- und Käsewaren, packe Kartoffeln in Stanniolpapier (oder, wer Angstfrei, in Alufolie), und singe zur Ukulele Weisen von Degenhardt und Knef. Apres Crépuscule.

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