Bovie

by ikreidler

Bowie Ausstellung im Martin Gropius Bau. Wir bewegen uns vom Haus der Kulturen der Welt, wo gerade die Deklination des Begriffes Navigation in einer handfesten Auseinandersetzung zu Ende gegangen war, über die abgesperrte Straße des 17. Juni Richtung Potsdamer Platz.

»Vierzehn Euro Eintritt« schickt uns eine alte männliche sackgesichtige Unhöflichkeit an den anderen Schalter, er habe keine Lust mehr, Tickets zu verkaufen. Wir werden zu Kopfhörern genötigt, die sich im Ensemble von Diorama zu Diorama selbst weiterschalten werden, »sie müssen nur die Lautstärke regeln«; nicht nur wegen der Nadel im Ohr lasse ich sie meist um den Hals baumeln. Es gibt Ausschnitte von Bowiemusik zu hören. Und ab und zu auch mal einen Gastsprecher; was ja okay wäre, Bowies Stimme über die Jahrzehnte sowieso, wenn das, was zu sehen ist, nicht so jämmerlich aufbereitet wäre. Als Event, als Spektakel, als Taschenspielerei, als Guckloch, mit dicken Headlines, David Bowie hasn’t left the Building yet. Und dann David Bowie has left the Building now. Und so weiter. Und #tags an jeder Texttafel. Verwegen schräg gesetzt. Störer. Keine -isms aber -ions. invention, reduction, oblivion. Hallo!? Und Dunkel soll es sein. Sonst kommen die Illuminationen ja nicht gut oder die Hologramme. Geisterbahn. Ein einziges Darüberschmieren und Zuklatschen von Artefakten, wie ein aus den Fugen geratenes Fachhochschul-Projekt. Aber Zweitsemester. Vielleicht ein Problem des Designers, dass man immer vorne sein will, und denkt, alles aufzufahren, was an technischer Spielerei geht, sei cutting edge, und dann gar nicht mehr merkt, wie weit man eigentlich hinten liegt.

Zum Ende hin schwang sich die Ausstellung noch ein Ebene tiefer, wo dann auf Erich Heckel ein Ausschnitt von Michael Clark’s grandiosem Tanzstück come, been and gone folgte, aufs jämmerlichste editiert, und als finaler Appendix Bowie in Berlin, was ja manches hätte retten können, aber ein paar an die Wand geklatschte Bildchen… manchmal ist scheißiges Scheitern eben nur scheißiges Scheitern.

Holger Liebs meinte später, er hätte die Ausstellung in London gesehen und keine Erwartungen an das Display gehabt, er hätte es ja auch nicht wie eine Kunstausstellung betrachtet. Darum geht es ja auch tatsächlich nicht, aber hätten sich die Ausstellungsdesigner nicht vielleicht ein bisschen Kunst anschauen können, um sich davon inspirieren zu lassen? Einen von Mucha’s Höllenmaschinen-Räumen zum Beispiel; oder wie Wolfgang Tillmans seine Fotografien zeigt; oder wie Stephen G. Rhodes mit Räumen umgeht; oder die in die Ecke gedrückten alten Vitrinen im Londoner Natural History Museum.

Was allerdings toll an der Ausstellung war, dass ich sie mit KB besucht hatte. Und in der Nachsicht freuten wir uns über 14 Euro Eintritt; dass sich etwaig neugierige junge Menschen vielleicht doch von einem Besuch abschrecken lassen, stattdessen lieber für 6 Euro The Man Who Fell To Earth im Arsenal ansehen, sich ein Popcorn teilen und beseelt und inspiriert die Kurzstrecke nach hause antreten.

Ich dagegen musste mich anschliessend bei strengem Denken zurück im Haus der Kulturen der Welt erden.

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