Kreidler

The Master Precision of Electronic Music Pop

Category: Strasse/Straße/Strabe

Parismessidor

Ankler, Hoder, Segatnini

(Meisterwerke aus der Stiftung für Kunst, Kultur, und Geschichte, depliant »Ihr Reisebekleider« disponible sur votre pochette)

Es ist Modewoche in Paris. Es ist immer irgendeine Modewoche in Paris. Und wer denkt hier auch schon an Fußball. Vielleicht die Périphérique. Team Dreifarben Irgendwas. Es ist Modewoche in Paris und 22/4 hommes femmes hat uns eingeladen, im Silencio zu spielen. Im Bemühen mich auf den von David Lynch gestalteten Club einzustimmen, hatte ich Wild at Heart aufs iPad geladen. Ich denke, seine einzige Regiearbeit, die ich bisher zu schauen versäumt hatte. Kinder mit wilden Augen rütteln mich wach, ein Blick auf die победа lässt vermuten, dass ich bereits 20 Minuten nach Filmbeginn eingenickt war; ich drehe das Rad weiter, in weißer Voraussicht hatte ich auch Naked Lunch aufs iPad geladen. Ich glaube, die einzige Regiearbeit von David Cronenberg, die ich bisher versäumt hatte, zu sehen. Und seine universelle Abhandlung über die Schwierigkeit des Schreibens hält mich wach. Weit über die Pfalz hinaus. Ungebremst rast der TGV in den Gare de l’Est. Fur Disco.

Saison Frühjahr/Sommer 2015. Will ich das jetzt sehen, will ich das jetzt wissen – im anbrechenden Sommer 2014!? Will ich doch wenn schon dann auch jetzt haben. Wie die Modebranche ein noch seltsamere Welt geworden ist als die Musikindustrie. Das Silencio steht hübsch da, Vorhang auf, Kreidler an, Vorhang zu. Kleines DJ Anhängsel von Robert. Dann in der Nacht ist es nur noch Laden und zeigt sein hässliches Gesicht; das Publikum wird ausgewechselt, das Bier kostet 18 Euro und die Musik ist billigster R&B Disco House, den selbst ich nicht hören mag. Die anwesende Jeunesse Doré hat den Spagat, fein angezogen und dabei schlecht gekleidet zu sein, perfektioniert. Wie sich ein vorgeblich Mondänes und Kleinstadt dann doch immer wieder ähneln.

Nacht auf dem Schiff, Nespresso und Croissants am Morgen, Anne näht mir einen Knopf an, weiter geht das Leben. Danke Steffi und Gordon. Abfahrt.

Advertisements

HaHaHamburgMaiaiaiaiai

»Mojo’s Workin’«
(Black Mojo, Warp Records, WAP43, 1994)

Kennt noch jemand den Mojo Club? Das war mal zu Downbeat Zeiten ein angesagter Laden in Hamburg, und zu Downbeat Zeiten wurden wir auch irgendwie da reingepackt, erst in den Downbeat und dann in den dazu angesagten Laden (man wußte und weiß bei Kreidler’s Musik ja nie so genau, was das denn jetzt alles zu bedeuten habe); wo wir mit Red Snapper spielten, an die ich keinerlei musikalische Erinnerung habe (ich werde nicht müde, zu wiederholen, dass bis auf wenige Ausnahmen, nur die ca. ersten fünf Jahre von Warp Releases beispielhaft, von unverzichtbarer Grandezza und somit des Überdauerns würdig sind (Red Snapper kam im sechsten Jahr), auf dass das frühe Warp Label wiedererstehen möge aus der Asche des mittleren bis späten bis jetzigen (Cato’s Ceterum Censeo, das ja auch den Untergang Karthagos einleitete, im Sinne)). Unser dritter Auftritt in Hamburg. Damals. Und warum dann nicht im Zwanzigjährigen, dachten wir. Da das Mojo wieder wiedereröffnet worden war.

Aber eigentlich wollte ich gar nicht mehr sprechen vom Mojo Club. Zumal er auch von irgendeinem BWL-Experten sprich Trendscout beraten, eine Gruppe adressiert, die vielleicht doch nicht so die unsere ist. BWLer und Trendscouts vermutlich. Nichts dagegen, natürlich. Solange sie ihren Beruf lieben.

Booking und Verschiebung also. Bei unserer 2000er Mnemorex-Tour sollten wir am selben Abend in München spielen wie Tuxedomoon supported by DJ Hell. Der schlaue Promoter legte beide Veranstaltungen zusammen, was, so weit mein Erinnern, für alle Beteiligten grandios war. In Brüssel hatten wir Samstag auf der Agenda. Als Freitag um 17 Uhr der Anruf kam, wo wir denn blieben, ließen wir die Bahntickets für Samstag verfallen und hetzten mit dem Kleinwagen ins Botanique, bauten unsere Geräte im Auto zusammen und waren pünktlich zum Konzertbeginn auf der Bühne. Es war Franz Treichler’s Copier Coller Festival und ein super Abend. Als Basti mich anrief, dass das Mojo ihn gerade angerufen hätte, dass sie versehentlich ein Doppelbooking getätigt hätten, dass für den Abend unseres Auftritts eine ältere Option bestanden habe, die sie übersehen hätten, wegen hausinterner personeller Verschiebungen, klang das etwas zu faul, so dass ich dachte, wahrscheinlich veranstalten sie doch lieber einen DJ Abend, womit man mit weniger Aufwand einen größeren Reibach machen kann, aber Basti, unser Booker, antwortete, »ne, Paul Weller.«

Die Lüge der älteren Option flog in Minuten auf, man hat ja Internet, die für eben jenen Tag in Dresden angesetzte Paul Weller Show, war nun plötzlich ersatzlos gestrichen, »aufgrund Verschiebungen im internationalen Tourplan« – was ich mit mauer Vorverkauf übersetzen möchte, und auf Paul Wellers eigener Seite als Breaking News, »new intimate club show in Hamburg announced«. Dass befreundete Booker Hamburger Clubs vom Anruf der Agentur Paul Wellers erzählten, die kurzfristig einen Gig buchen wollten, geschenkt. Hätte der Ort, über den ich gar nicht mehr sprechen will, nicht einfach den Anstand besitzen  können, zu sagen, sorry, Big Deal für uns, Ausfallhonorar für Euch, und wir holen das Kreidler Konzert im Herbst nach?

Aber vielen Dank an das tolle (sowieso) Uebel & Gefährlich, die uns so kurzfristig noch ein Plätzchen schufen, und an das Publikum, und die Nacht wurde lang im Aalhaus und wir fielen dann allesamt bei Ruth Mayayayayay und Kante Peter in die Betten.

Aber eigentlich wollte ich doch von der Freude berichten, die es immer bereitet in Hamburg, Tobias Levin zu treffen. Diesen Leuchtturm der Schlauheit, umso mehr, da das andere oft besungene Genie Ted Gaier leider nicht in der Stadt weilte, und Gremliza bekennendermaßen Frank Sinatra hört.

Bremen Nacht (Bremenmai)

»Warum sich abmühen, wenn das Leben seine eigenen Entscheidungen trifft.«
(M. Caine, synchronisiert, Children of Men)

Hallo Bremen, Du süßeste Überraschung!
Hallo Tarun, tollster Dramaturg!
Hallo Stampede, Zugabenverlangendes Publikum!
Hallo Sabrina, Sabine, Caroline, Simon, Annemaaike, und wie Ihr alle heißt, Ihr gottgleichen Schauspiel-Wesen! Und Partyweltmeister! (ich bin so schlecht mit Namen.)
Hallo Heartbreak Hotel, Du wunderbare, einer BBC-Serie entsprungene Kaschemme!
Hallo Ihr böse verwirrenden Alkoholika mit treffenden Kennzeichnungen wie Anderwandhoch, Mexikaner oder Rhabarberschnaps!

Hallo sozialdemokratischdenkbarste, corporatebullshitfreieste aller Einkaufstraßen!

Und, Danke, Du durchschnittlichster Secondhandplattenladen, ohne Dein mageres Angebot hätten wir den Weg aus Dir, Du neue Lieblingsstadt, gar nicht mehr gefunden.

Stuttgartmai

»xx«
(yy)

 

Während

Düsseldorfmai

»Spartak-Basti hat den Kiss-Cup verloren«
(KissFM, 21 Mai 2013)

Während die Aufzeichnungen aus den letztsommerlichen Jacob Wren Every Song I’ve ever written FFT-Sessions überall im Internet aufploppen, stehen wir auch schon wieder am selbigen Ort auf der Bühne. Das FFT zählt, wie der treue Verfolger dieser Seiten weiß, als einer der drei Kreidler Lieblingsorte in Düsseldorf (dero anderen zwo: Salon des Amateurs und Philipp Maiburg). Gemäß des Nürnberger Protokolls ist der Auftritt in Düsseldorf fester Bestandteil unseres jährlichen Pensums.

Set:

New Earth
Brass Cannon
Cascade
Alphabet
Evil Love
Jaguar
Nino
Modul
Kremlin Rules

Mosaik

Zero
Impressions d’Afrique

Dabei davor dazwischen danach: das euphorischste Sitzpublikum denkbar!

Hasseltmay

»Is it just me?« he wondered. »Or are we all travelling here from the future?«

(Mark von Schlegell, Mercury Station)

Hurra! Die Grafikkarte ist Geschichte. Also Nichthurra. Der angekündigte Tod. Wo mein PowerBook G4 Titanium seit 13 Jahren munter seinen Dienst tut, selbst der Akku lädt noch bis 3 Prozent. Der angekündigte Tod, weil es die Modellreihe mit der Nvidia-Karte ist, für die Apple bis vor 15 Monaten ein Austauschprogramm angeboten hatte. Was Thomas, der ein etwas kleineres (Prozessor) MacBook Pro hat, in Anspruch nehmen konnte, weil die Grafikkarte in seinem Gerät vor 15 Monaten minus 10 Tage Geschichte gewesen war. Und Apple, kurz davor wieder einen Pepsi Cola Mann als CEO einzustellen, für fünf Jahre alte Produkte auch keine Ersatzteile jeglicher Art mehr bereithält. Vielleicht RAM Klötzchen. Leider ist es bis heute das letzte schöne Modell in Apples portabler Reihe. Ich will nicht auf einer schwarzen Tastatur schreiben, und ich will keinen schwarzen Bilderrahmen um meinen Screen. Und eckig will ich auch. Oder, sagen wir, wenn ich das akzeptieren würde, weil ich auch keinen alten Rechner (jetzt schreibe ich das Wort doch noch) neukaufen möchte, dann fühlt sich mein Workflow schon alleine beim Denken an Mavericks, das neue Logic, den Thunderbold-auf-ExpressCard-Adapter, neu zu erwerbende HTML-, ftp- und Grafikprogramme ziemlich ausgebremst an. Ich habe aber auch keine Lust, allzu lange über ein Werkzeug nachzudenken, weil es eben schlicht ein Werkzeug ist. Aber.

Aber.

Im Zug nach Hasselt. Wo ich Thomas Computer in Beschlag nehmen werde. Setliste wie gehabt.

Fuldamai

Han Solo: I dreamt music…
Replicant: I didn’t know if I can play.
Remembering lessons. I don’t know if it’s me or Tyrell’s niece.
Han Solo: You played beautifully.
(Branwell Brontë, Wuthering Heights)

Der Veranstalter von Fulda hat uns in seltsames Hotel gebucht mit Afrika im Namen.

Wo denn die Dame des Hauses sei, fragt Jeanne Moreau, während Jean Genet böse auf mich einschimpft. Französisch. In einem Twirl wache ich auf, Thomas und Detlef sind längst im Kreidlerbus unterwegs nach Düsseldorf, Alex und ich sitzen im ICE Baader-Meinhof nach Berlin; »bis Hasselt«, hatten wir uns verabschiedet. Minibreak Tour-Leg One.