Kreidler

The Master Precision of Electronic Music Pop

HaHaHamburgMaiaiaiaiai

»Mojo’s Workin’«
(Black Mojo, Warp Records, WAP43, 1994)

Kennt noch jemand den Mojo Club? Das war mal zu Downbeat Zeiten ein angesagter Laden in Hamburg, und zu Downbeat Zeiten wurden wir auch irgendwie da reingepackt, erst in den Downbeat und dann in den dazu angesagten Laden (man wußte und weiß bei Kreidler’s Musik ja nie so genau, was das denn jetzt alles zu bedeuten habe); wo wir mit Red Snapper spielten, an die ich keinerlei musikalische Erinnerung habe (ich werde nicht müde, zu wiederholen, dass bis auf wenige Ausnahmen, nur die ca. ersten fünf Jahre von Warp Releases beispielhaft, von unverzichtbarer Grandezza und somit des Überdauerns würdig sind (Red Snapper kam im sechsten Jahr), auf dass das frühe Warp Label wiedererstehen möge aus der Asche des mittleren bis späten bis jetzigen (Cato’s Ceterum Censeo, das ja auch den Untergang Karthagos einleitete, im Sinne)). Unser dritter Auftritt in Hamburg. Damals. Und warum dann nicht im Zwanzigjährigen, dachten wir. Da das Mojo wieder wiedereröffnet worden war.

Aber eigentlich wollte ich gar nicht mehr sprechen vom Mojo Club. Zumal er auch von irgendeinem BWL-Experten sprich Trendscout beraten, eine Gruppe adressiert, die vielleicht doch nicht so die unsere ist. BWLer und Trendscouts vermutlich. Nichts dagegen, natürlich. Solange sie ihren Beruf lieben.

Booking und Verschiebung also. Bei unserer 2000er Mnemorex-Tour sollten wir am selben Abend in München spielen wie Tuxedomoon supported by DJ Hell. Der schlaue Promoter legte beide Veranstaltungen zusammen, was, so weit mein Erinnern, für alle Beteiligten grandios war. In Brüssel hatten wir Samstag auf der Agenda. Als Freitag um 17 Uhr der Anruf kam, wo wir denn blieben, ließen wir die Bahntickets für Samstag verfallen und hetzten mit dem Kleinwagen ins Botanique, bauten unsere Geräte im Auto zusammen und waren pünktlich zum Konzertbeginn auf der Bühne. Es war Franz Treichler’s Copier Coller Festival und ein super Abend. Als Basti mich anrief, dass das Mojo ihn gerade angerufen hätte, dass sie versehentlich ein Doppelbooking getätigt hätten, dass für den Abend unseres Auftritts eine ältere Option bestanden habe, die sie übersehen hätten, wegen hausinterner personeller Verschiebungen, klang das etwas zu faul, so dass ich dachte, wahrscheinlich veranstalten sie doch lieber einen DJ Abend, womit man mit weniger Aufwand einen größeren Reibach machen kann, aber Basti, unser Booker, antwortete, »ne, Paul Weller.«

Die Lüge der älteren Option flog in Minuten auf, man hat ja Internet, die für eben jenen Tag in Dresden angesetzte Paul Weller Show, war nun plötzlich ersatzlos gestrichen, »aufgrund Verschiebungen im internationalen Tourplan« – was ich mit mauer Vorverkauf übersetzen möchte, und auf Paul Wellers eigener Seite als Breaking News, »new intimate club show in Hamburg announced«. Dass befreundete Booker Hamburger Clubs vom Anruf der Agentur Paul Wellers erzählten, die kurzfristig einen Gig buchen wollten, geschenkt. Hätte der Ort, über den ich gar nicht mehr sprechen will, nicht einfach den Anstand besitzen  können, zu sagen, sorry, Big Deal für uns, Ausfallhonorar für Euch, und wir holen das Kreidler Konzert im Herbst nach?

Aber vielen Dank an das tolle (sowieso) Uebel & Gefährlich, die uns so kurzfristig noch ein Plätzchen schufen, und an das Publikum, und die Nacht wurde lang im Aalhaus und wir fielen dann allesamt bei Ruth Mayayayayay und Kante Peter in die Betten.

Aber eigentlich wollte ich doch von der Freude berichten, die es immer bereitet in Hamburg, Tobias Levin zu treffen. Diesen Leuchtturm der Schlauheit, umso mehr, da das andere oft besungene Genie Ted Gaier leider nicht in der Stadt weilte, und Gremliza bekennendermaßen Frank Sinatra hört.

Bremen Nacht (Bremenmai)

»Warum sich abmühen, wenn das Leben seine eigenen Entscheidungen trifft.«
(M. Caine, synchronisiert, Children of Men)

Hallo Bremen, Du süßeste Überraschung!
Hallo Tarun, tollster Dramaturg!
Hallo Stampede, Zugabenverlangendes Publikum!
Hallo Sabrina, Sabine, Caroline, Simon, Annemaaike, und wie Ihr alle heißt, Ihr gottgleichen Schauspiel-Wesen! Und Partyweltmeister! (ich bin so schlecht mit Namen.)
Hallo Heartbreak Hotel, Du wunderbare, einer BBC-Serie entsprungene Kaschemme!
Hallo Ihr böse verwirrenden Alkoholika mit treffenden Kennzeichnungen wie Anderwandhoch, Mexikaner oder Rhabarberschnaps!

Hallo sozialdemokratischdenkbarste, corporatebullshitfreieste aller Einkaufstraßen!

Und, Danke, Du durchschnittlichster Secondhandplattenladen, ohne Dein mageres Angebot hätten wir den Weg aus Dir, Du neue Lieblingsstadt, gar nicht mehr gefunden.

Leipzigmai

»I think one of the great failures of the fine art scene of for example of the painting scene is that it created a situation where artists can’t move very easily. I mean, an artist who’s one defined his style and becomes popular for it, unless he is very very successful, is really constrained to stay within that. you know. And it is a platitude to say but it really is true that an artist has his trademark so you can look at it and you say oh yes, that’s a Rothko and that’s a Larry Poons, because you know Rothko always has this blurry shapes and Larry Poons always has those dogs. Now, I’m not against the idea of exploring one format. In depth like that. But I am against the idea of having to explore one format in depth.«
(An interview with Brian Eno, From Brussels with love, Les Disques Du Crépuscule, 1980)

Day off in Leipzig, die Bäckerei wünscht einen schönen Vatertag, die senflose Wurst heißt “nackig”, und es regnet ohne Unterlass. Wir zittern – unseren Nerzwesten zum Trotz. Das Thermometer fällt, Schirmchen ziehen. Trost spenden nur die Ein Euro Shops, wo wir unsere Basics-Lücken auffüllen. Also, die eine fehlende Roxy Music, Robert Palmer komplett, Electric Light Orchestra, Ian Pooley, Sophie Ellis Bextor und, etwas teurer, Phil Manzanera, No Pussyfooting, Eve Future Recall, Vangelis, Yoko Ono, Chris Korda, Alice 12″.

Später. Danke tolle Tontechnik, danke eine Barfußkneipe, danke an die Zuhörer, wir freuen uns auf den Frühling im Hohen Norden, Bremen Nacht.

Stuttgartmai

»xx«
(yy)

 

Während

Düsseldorfmai

»Spartak-Basti hat den Kiss-Cup verloren«
(KissFM, 21 Mai 2013)

Während die Aufzeichnungen aus den letztsommerlichen Jacob Wren Every Song I’ve ever written FFT-Sessions überall im Internet aufploppen, stehen wir auch schon wieder am selbigen Ort auf der Bühne. Das FFT zählt, wie der treue Verfolger dieser Seiten weiß, als einer der drei Kreidler Lieblingsorte in Düsseldorf (dero anderen zwo: Salon des Amateurs und Philipp Maiburg). Gemäß des Nürnberger Protokolls ist der Auftritt in Düsseldorf fester Bestandteil unseres jährlichen Pensums.

Set:

New Earth
Brass Cannon
Cascade
Alphabet
Evil Love
Jaguar
Nino
Modul
Kremlin Rules

Mosaik

Zero
Impressions d’Afrique

Dabei davor dazwischen danach: das euphorischste Sitzpublikum denkbar!

Hasseltmay

»Is it just me?« he wondered. »Or are we all travelling here from the future?«

(Mark von Schlegell, Mercury Station)

Hurra! Die Grafikkarte ist Geschichte. Also Nichthurra. Der angekündigte Tod. Wo mein PowerBook G4 Titanium seit 13 Jahren munter seinen Dienst tut, selbst der Akku lädt noch bis 3 Prozent. Der angekündigte Tod, weil es die Modellreihe mit der Nvidia-Karte ist, für die Apple bis vor 15 Monaten ein Austauschprogramm angeboten hatte. Was Thomas, der ein etwas kleineres (Prozessor) MacBook Pro hat, in Anspruch nehmen konnte, weil die Grafikkarte in seinem Gerät vor 15 Monaten minus 10 Tage Geschichte gewesen war. Und Apple, kurz davor wieder einen Pepsi Cola Mann als CEO einzustellen, für fünf Jahre alte Produkte auch keine Ersatzteile jeglicher Art mehr bereithält. Vielleicht RAM Klötzchen. Leider ist es bis heute das letzte schöne Modell in Apples portabler Reihe. Ich will nicht auf einer schwarzen Tastatur schreiben, und ich will keinen schwarzen Bilderrahmen um meinen Screen. Und eckig will ich auch. Oder, sagen wir, wenn ich das akzeptieren würde, weil ich auch keinen alten Rechner (jetzt schreibe ich das Wort doch noch) neukaufen möchte, dann fühlt sich mein Workflow schon alleine beim Denken an Mavericks, das neue Logic, den Thunderbold-auf-ExpressCard-Adapter, neu zu erwerbende HTML-, ftp- und Grafikprogramme ziemlich ausgebremst an. Ich habe aber auch keine Lust, allzu lange über ein Werkzeug nachzudenken, weil es eben schlicht ein Werkzeug ist. Aber.

Aber.

Im Zug nach Hasselt. Wo ich Thomas Computer in Beschlag nehmen werde. Setliste wie gehabt.

Fuldamai

Han Solo: I dreamt music…
Replicant: I didn’t know if I can play.
Remembering lessons. I don’t know if it’s me or Tyrell’s niece.
Han Solo: You played beautifully.
(Branwell Brontë, Wuthering Heights)

Der Veranstalter von Fulda hat uns in seltsames Hotel gebucht mit Afrika im Namen.

Wo denn die Dame des Hauses sei, fragt Jeanne Moreau, während Jean Genet böse auf mich einschimpft. Französisch. In einem Twirl wache ich auf, Thomas und Detlef sind längst im Kreidlerbus unterwegs nach Düsseldorf, Alex und ich sitzen im ICE Baader-Meinhof nach Berlin; »bis Hasselt«, hatten wir uns verabschiedet. Minibreak Tour-Leg One.

Offenbachammainmai

»Man, when was the last time, we played two concerts in a consecutive row?« Fragt Alex und ploppt im dunklen Spessart eine Korrekte Cola (aus Überzeugung) auf, dass unsere Trommelfelle wackeln. Letzten Oktober, Bochum auf Düsseldorf, aber: »Übermorgen gestern« – die bessere, weil müde Antwort.

Sonne lacht über Offenbach. Eine prächtige Konzerthalle, ein tolles Publikum. Wir variieren unsere Setliste leicht:

Zero / Cascade / Brass Cannon / Alphabet / Evil Love / Jaguar / New Earth / Nino / Modul / Kremlin Rules / (Encore:) Ballad of a thin man

Danach ins Robert Hacienda Johnson. Nina Kraviz verpassen. Immerhin. Und über den Rest schweige ich.

Frankfurt, jedenfalls und mit Verlaub, haben wir nicht vermisst.

Nurembergmay

L’œil existe à l’état sauvage.
(André Breton)

Klare Regeln. Natürlich gehen wir taktisch vor. Reagieren auf Gegebenheiten. Aber Reagieren auf wiederkehrende Gegebenheiten, also, wird wieder wiederHolung also, werden zu schönsten Gewohnheiten. An denen man sich orientiert, um weiter zu wachsen, um auf nächste Gegebenheiten wiederum taktisch reagieren zu können.

Wenn wir auf Nürnberg als Haltepunkt unserer Touren bestehen, dann hat das natürlich mit dem K4 zu tun. Und Radio Z. Und dem Kunstverein (dem, mit den Bildern). Aber eben auch mit drei Schallplattengeschäften oben im Eck, die wir regelmäßig reich bepackt verlassen, mit Platten, die synchron gerade in der Hauptstadt und/oder im Rheinland vergriffen sind. Manchmal erscheint einem discogs eben auch zu abstrakt. Und Bücher zum Kilopreis.

Reich bepackt gehen wir die paar Schritte zu dem “kleinen Italiener”, der eigentlich mit Brühgerät, Nudel und Zubehör handelt, aber auch vorzügliche Tramezzinis und öligsten Espresso feilbietet. Gut gelaunt besteigen wir den Kreidlerbus.

In leichtem Trauern besteigen wir den Kreidlerbus. Weil wir im Vorfeld der Kampagne wieder mal vergessen hatten, DJ Kanzel und Leseecke einzurichten.


Setliste:

Zero
Brass Cannon
Evil Love
Jaguar
New Earth
Nino
Modul
Kremlin Rules

Impressions d’Afrique
Mosaik


Packliste:

Tonträger von Todd Rundgren, Gilberto Gil, Chrome, Laurie Anderson, Roxy Music, [eyp314], Reinhard Flatischler.

Bücher von Octavia Butler, Truman Capote/Andy Warhol, H. G. Wells, Jean-Luc Godard, Robert Musil, William Gibson, Roger Zelany.

Alphabet Street

»Just then two muscle-bound men were muscling their way into the banquette with Maris.«
(Bernadette Corporation, Reena Spaulings)

Do the Strandsky. Von Telavi nach Tel Aviv. აბგდე letters of love ვზთ and separation. იკლმნოპჟ »You can go your own way!«, the dog is barking. რსტუფქ Waves and waveforms form another wave’s form. ღყშჩცძწჭ ხჯჰ Do the sandski. Strands Polanski ჱჲჳჴჵჶჷჸ.

Das Video zu »Alphabet« ist von Lior Shamriz.